DIE ZEIT DER SÄKULARISATION U. DIE SPÄTERE PROVINZIAL-PFLEGEANSTALT 131
daß der König nach solchen beunruhigenden Informationen alsGrundsatz billigte, „daß allmählich daran gearbeitet" würde,„die besondere hierarchische Stufenleiter, unter welcher dasKlosterwesen" stehe, zu untergraben.
Aber ebensosehr begreifen wir das Erstaunen desselbenKönigs, als er einen den wirklichen Verhältnissen entsprechendenImmediatbericht vom 11. März 1803 des Staatsministers GrafenSchulenburg x ) über die Franziskanerklöster dahin beantwortete,daß er „diese Klöster bisher aus einem ganz anderen Gesichts-punkte betrachtet und die überwiegende Schädlichkeit derselbenfür ausgemacht gehalten habe,, '-'). Graf Schulenburg stelltenämlich die Mendikantenklöster für die Seelsorge als „fast unent-behrlich" hin. Es wurden in dem ruhig und objektiv abgefaßtenBericht die unserem Kloster zu Geseke teilweise benachbartenund, was für uns von Wichtigkeit ist, zur selben sächsischenProvinz gehörigen Franziskanerklöster zu Münster, Warendorf,Paderborn, Lügde und Elten aufgeführt, die in den preußischenIndemnitätsprovinzen gelegen waren. Von den Franziskanernzu Warendorf, die auch ein Gymnasium wie die Franziskanerin Geseke hatten, wird gesagt, daß sie „unter den Mendikantendie geschicktesten und wegen des Schulunterrichts, welchemsie sich vorzüglich widmeten, die nützlichsten" seien, daherwäre auch von ihrer Aufhebung noch gar nicht die Redegewesen.
Ich glaube, daß dieser Bericht nicht ohne Einfluß auf dieim Verhältnis zu anderen Staaten milde Behandlung gewesenist, die die preußische Regierung in der Folgezeit den Franzis-kanerklöstern angedeihen ließ. Und diese einstweilige günstigeStellung der preußischen Regierung den Franziskanerklösterngegenüber kam auch unserm Kloster zu Geseke schon in jenerZeit zugute, als es noch unter Hessen-Darmstadt stand, demdas Herzogtum Westfalen im Lünneviller Frieden als Indemni-tätsprovinz zugefallen war. Hessen-Darmstadt hatte sich näm-lich in seinen Maßnahmen eng an Preußen angeschlossen, undin dem königlichen Erlaubnisschreiben an den preußischen Re-sidenten in Rom zur Übernahme des römischen Geschäftsträger-
') Ebd. Nr. 560. 5 ) Ebd. Nr. 565.