94 GYMNASIUM
»Knecht« hin und erzähltest ihnen von dem großen Sohne dersaarländischen Berge, dem Stolze der untergegangenen Stu-dentenschule, der es bis zum Geheimsekretär Maria Theresiasund zum Staatsminister Josefs II. gebracht hatte. Idealen Sinneswirktest du last drei Jahrzehnte in täglich 8—lOstündiger Arbeitunter den geliebten Söhnen deiner Vaterstadt, bis du, einzweiter Trotzendorf, vom Herrn in eine andere Schule abbe-rufen wurdest.
Gesegnet ist dein Andenken."
B. Innere Geschichte des Gymnasiums.
Die innere Geschichte des Gymnasiums über Studienbetriebund Studienerfolge ist erfreulicher, als die Darstellung der äußerenEreignisse, die wir im verflossenen Kapitel behandeln mußten.
Wir haben zunächst die wichtige und zugleich interes-sante Frage nach der Technik und Organisation des Studien-betriebs zu beantworten. Sie erledigt sich im allgemeinendurch den Hinweis, daß die Franziskanergymnasien der säch-sischen Provinz sich den Jesuitenschulen nach jeder Richtunghin anzupassen suchten.
Schon früher wiesen wir darauf hin, daß den Jesuiten derEhrentitel gebührt, Neubegründer des römisch-katholischenGelehrtenschulwesens in Deutschland zu sein. Die meinesWissens bis heute noch nicht benutzten, unveröffentlichtenStatuten für das Franziskanergymnasium zu Dorsten, die zugleichdie älteste offizielle Schulordnung für Franziskanergymnasien dar-stellen und schon aus diesem Grunde den im Anhang gegebenenAbdruck rechtfertigen, bestimmen ausdrücklich, daß die Pro-fessoren „sich in allen Stücken den Vätern der Gesellschaftanschließen sollen" 1 ). Diese Statuten, deren älteste Fassungschon aus dem Provinzialat des P. Heinrich Wuesten stammt,der vom Jahre 1642—45 der Saxonia vorstand, wurden vonseinen beiden Nachfolgern, Leonard Helm und Gerard Joannis,verbessert und vermehrt und im Jahre 1666 vom Provinzial FelixSylvius von neuem als bindend veröffentlicht -'). Neun Jahrespäter veröffentlichte der Provinzial Albert Watringa eine neue,
') Regulae 1666 § 1 7. 2 ) Ebd. Schluß.