GYMNASIUM 75
Abteilung besaß, ist nichts weniger als schmeichelhaft undschließt mit dem Urteil, daß das Schulwesen der gründlichstenReform bedürftig sei ')• Arntzens Bericht datiert vom 14. Juni1788, und schon am 11. Juli desselben Jahres erging die kur-fürstliche Reformbestimmung, nach der die Trivialschule in jezwei Klassen eingeteilt werden mußte, und zwar nicht wie bis-her in eine lateinische und deutsche Abteilung, sondern in eineKlasse für die kleineren und größeren Knaben. Vor und nachden ordentlichen Schulstunden sollten die zukünftigen Gymna-siasten in den Anfangsgründen unterrichtet werden 2 ).
übrigens waren die Klagen über ungenügenden Unterrichtin den Elementarfächern allgemein, und auch die Jesuiten sahensich oft gezwungen, den Unterricht in den Elementarfächernzu übernehmen oder wenigstens an ihren Gymnasien Klassenfür ABC-Schüler zu errichten :l )- In München z. B. hieß dieseKlasse „Alphabetaria", in dem Geseke benachbarten Paderbornwurde diese fünfte Klasse des Gymnasiums „Mulle" genannt l ).Von einem Elementarunterricht durch die Franziskaner wirdin den Quellen nichts berichtet. Wir müssen deshalb bei demnotorischen Tiefstand in der Vorbildung zum Gymnasium dieErfolge ihrer Lehrtätigkeit um so höher einschätzen, weil dieunterste Gymnasialklasse, die Infima, die sogenannten Rudi-menta 5 ) an und für sich schon voraussetzte; sie entsprachenungefähr dem Wissensumfang unseres angehenden Quartaners ")und mußten in der Infima in vielen Fällen erst nachgeholt werden.
Obschon die Gründung des Gymnasiums in Geseke erstgegen Ende des Jahrhunderts erfolgte, war sie doch schon imPrinzip beschlossene Sache, als der uns bekannte P. AlardusBesken mit dem Stadtmagistrat die Verhandlungen wegen dergeplanten Klostergründung führte. Die Errichtung eines Gym-
') SAM lol. 12.
! ) Ebd. toi. 18 ff. Vgl. das sehr eingehende Reformprogramm des Frei-herni von Spiegel zum Desenberg für die Trivialschulen als Vorbereitung fürdas Gymnasium vom Jahre 1789 in SAM Herzogtum Westfalen X :5 fol. 130.*das weder von Naarmann noch Lappe verwertet worden ist.
3 ) Duhr I 260 f. Vgl. das Sachregister unter „Elementarunterricht".
4 ) Ebd. I 186 141.
r ') Vgl. Regulae Gymnasii Dorstensis I Nr. 15. °) Führer 30.