GYMNASIUM 71
Katechismusstunde die Kühe durch Knaben auf die Weidetreiben zu lassen oder die Kinder auf andere Weise von derSchule abzuhalten.
Auf diese Verhältnisse und vor allem auf die Zustände imElementarschulwesen zu Geseke müssen wir wenigstens in Kürzehier eingehen, weil die lateinische Trivialschule die Vorstufezum Aufstieg in das Geseker Gymnasium war ! ).
Kurz vor der Ankunft der Franziskaner war in Gesekeeine Neuregelung des Volksschulwesens vorgenommen worden 2 ).Durch die in der Geschichte der Stadt Geseke bekannte Uniobeneficiorum vom Jahre 1587 war die finanzielle Grundlage fürdie sogenannte Stiftsschule gelegt, die unter Abschaffung aller„Partikular- und Winkelschulen" 3 ) allein existenzberechtigt seinsollte. Und als kurz darauf trotzdem zu St. Peter sich eineSchule auftat, wurde bestimmt, „daß die Schull ad S. Cyriacumallein pleiben und andere Knabenschulle in onsere Stadt . . .sollen abgeschafft seyn" *). Als die Patres in Geseke einzogen,müssen die Schulverhältnisse in Geseke außerordentlich trauriggewesen sein. Das Staatsarchiv Münster verwahrt aus demJahre 1637 eine Eingabe des Konrektors Petrus Panekoke andie Frau Äbtissin, die Collatrix der Schulstellen war 5 ). Erhatte auf Bitten einiger Eltern Kinder zum Privatunterricht an-genommen, damit sie „nicht gantz und gahr ihr Lesen ver-gessen". Die Eltern wollten sie nicht in die Stiftsschule tun,weil diese nur von armen Kindern frequentiert würde, welchevon dem Brot lebten, „welches sie bekommen alle Tag für derthür vmb zehn vhr". So mußten die armen Studentlein aufihrem täglichen Bettelgang vor die Türen der Häuser, worindie „giftige sucht der pestilentz" noch grassierte, so daß für dieanderen Kinder Ansteckung zu befürchten war. Der Rektor warkurzer Hand in seine Wohnung gekommen, hatte die Kinderaus der „winkelschul" hinausgejagt und dem Konrektor zu ver-stehen gegeben, daß er nur „ein gedingeter knecht" sei. Indemselben Jahre wandte sich derselbe „arme Gesell" an denkurfürstlichen Kommissar zu Wedinghausen mit der Klage, daß
') Lappe 14. '') Ebd. 11 ff. 3 ) SAM Stift Geseke, Urkunde 477.J ) Ebd. fol. lr. '•) Ebd. R. 99 fol. 4f.