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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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306 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

halben Tag in Angst und Schrecken darin stehen. Endlich brach Ko-loman nochmals hervor, und während er mit den Mongolen kämpfte,suchte der grösste Theil der Ungarn sein Heil in der Flucht aus demLager. 'DieMongolen Hessen sie ohne zu schiessen durch ; als die übrigenUngarn dies sahen, eilten auch sie in Unordnung aus dem Lager, auchB e 1 a folgte ihnen. Als das Lager von den Ungarn vollständig verlassenwar, verfolgten die Mongolen sie, ohne zu schiessen, aber auch ohne sieauseinandergehen zu lassen, und dann, als sie sahen, dass sie erschöpftseien, stürzten sie sich mit einem Male auf sie und machten den grösstenTheil derselben nieder. Nur wenige, darunter Bela, vermochten sichzu retten.

Unter den von den Mongolen im Lager der Ungarn erbeuteten Gegen-ständen befand sich auch das königliche Siegel, und dieses setzten sieunter eine auf Batu's Befehl von einem gelehrten gefangenen Ungarnniedergeschriebene Erklärung im Namen des Königs, welche die Herrenund das Volk anwies, »Nichts von den Mongolen zu fürchten und ihreWohnungen nicht zu verlassen«. Eine Menge von Ungarn, welche sichdurch diese List täuschen Hessen, blieben in ihren Wohnungen, ohneMassregeln zu ihrem Schutze zu treffen, und wurden von den Mongo-len niedergemacht. Dann rückte Batu vor Pesth , nahm es mit Sturm,zündete es an und hieb die Bewohner nieder.

Inzwischen waren Kadan und Subutai von der Moldau her überden Pass von Burgos durch Transsylvanien in Ungarn eingedrungen, underschienen nach dreitägigem Marsche durch Wälder unvermuthet vor derreichen Stadt Rudin. Die bewaffneten Bewohner zogen ihnen entgegen,und als die Mongolen einen Scheinrückzug antraten, kehrten sie imTriumph in die Stadt zurück und berauschten sich aus Freude. Nun dran-gen die Mongolen fast ohne Widerstand in die Stadt ein, plünderten sieaus , zogen dann über Gebirge und durch Wälder nach Wardein, einerder wichtigsten Städte Ungarns, in die sich eine Menge Einwohner mitihren Schätzen verborgen hatten. Die Stadt wurde ohne Mühe von denMongolen genommen und niedergebrannt; die von Mauern mit Thürmenund einem breiten Graben umgebene Citadelle konnten sie nicht in ihrenBesitz bringen und zogen sich auf 5 Meilen davon zurück. In dem Glau-ben , dass sie gänzlich abgezogen seien, verliessen viele der Bewohnervon Wardein die Citadelle und Hessen sich in den Häusern der Stadtnieder, welche von den Flammen verschont geblieben waren. Als dieMongolen dies erfuhren, kehrten sie unerwartet in die Stadt zurück, hie-ben die Bewohner, welche sich nicht mehr in die Citadelle zu retten ver-mochten , zusammen und belagerten die Burg. Durch sieben Tag undNacht thätige Bailisten legten sie einen Theil der Mauern nieder, bracheneine Bresche, erstürmten die Citadelle und machten Alles nieder. Nach-