Sechstes Kapitel.
Die Kriege dieser Periode.
§. 36. Art und Kunst der Kriegführung in West-Europa während dieser Periode imAllgemeinen. §. 37. Die Kreuzzüge fl096—1291J. — Der 1. Kreuzzug (1096—1100). — §. 38. Operationen in Palästina und Syrien (1101 — 1146). — §. 39. Der2. Kreuzzug (1147—1149). — §. 40. Operationen in Palästina und Syrien (1150—1187). — §. 41. Der 3. Kreuzzug (1188—1190). — §. 42. Der i. Kreuzzug (1191 —1192). — §. 43. Operationen in Palästina und Syrien (1193—1222). — §. 44. Der5. Kreuzzug (1228—1229). — §. 45. Operationen in Palästina und Syrien (1230—1247). — §. 46. Der 6. Kreuzzug '1248—1254). — §. 47. Operationen in Palä-stina und Syrien (1255 — 1291), und der 7. letzte Kreuzzug (1270 — 1272). —§.48. Schluss.
§.36.
Art und Kunst der Kriegführung in West-Europa während dieserPeriode im Allgemeinen.
Inmitten des Bingens aller staatlichen Elemente, der allgemeinenAnarchie, Desorganisation, inneren Fehden und des tiefen Standpunktesdes Kriegswesens konnte der Krieg natürlicher Weise keine regelmässigeForm haben oder Spuren von irgend welcher Kunst zeigen. An Stellederselben trat die rohe physische Kraft, geleitet von der wilden Tapfer-keit und den unruhigen Leidenschaften der feudalen Zeit. Der Kampfwar das Hauptmittel zur Erlangung des Kriegszweckes, um so mehr, alsdie kurze Dauer der Dienstzeit und der Geist des Ritterthums dazu denunumgänglichen Anlass gaben. Wenn die eine Seite schwächer war, soführte sie einen Defensiv-Krieg in zahllosen festen Burgen und Städten.Daher die häufigen, fast unaufhörlichen Belagerungen, welche ausserdemin Folge der Unzulänglichkeit der Belagerungskunst in Europa sich bis-weilen sehr lange fortsetzten. Trotzdem dass entscheidende Actionen mitoffner Gewalt in ehrenvollem Kampfe mehr den ritterlichen Be-griffen und Gewohnheiten entsprachen, finden wir dennoch ziemlich oftKriegslisten angewendet, namentlich bei unvermutheten Ueberfällen,