Einleitung.
JJie allgemeine politische Geschichte seit dem Untergange des west-römischen Reiches wird, allgemein üblich, eingetheilt in die Geschichtedes Mittelalters — bis zu Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhun-derts —, der neueren Zeit — bis zur 1. französischen Revolution —,und der neuesten Zeit — bis zum heutigen Tage. Als die, die erstevon der zweiten dieser grossen Perioden trennenden Epochen bezeichnetman gewöhnlich: 1. die Einführung der Feuerwaffen, 2. dieE r f i n d u n g d e r B u c h d r u c k e r k u n s t, und damit zugleich den Anfangder Neubelebung der Künste und Wissenschaften in West-Europa seitder Mitte des 15. Jahrhunderts, 3. die Einnahme von Constantino-pel durch die Türken und Gründung des Türkischen Rei-ches in Europa im J. 1453, 4. die Entdeckung von Amerikaim J. 1492 und des Seeweges nach Ost-Indien im J. 1498, und5. die Reformation, welche durch Luther in der abendlän-dischen Kirche herbeigeführt wurde, in den J. 1515—1555.
In einer allgemeinen Kriegsgeschichte aber ist diese Eintheilungnicht angebracht. Von den oben angeführten Thatsachen, die man ge-wöhnlich als Epochen in der politischen Geschichte hinstellt, hat nur eineeinzige, — die Einführung der Feuerwaffen, — eine bedeutendeWichtigkeit für die Geschichte der Kriegskunst und der Kriege; die übri-gen bieten keinen besonderen Znsammenhang mit denselben dar.
Aber auch die Einführung der Feuerwaffen in der zweiten Hälfte des14. Jahrhunderts kann, genau genommen, nicht schon von diesem Zeit-punkt an als eine Epoche entschiedener Veränderung in der Kriegskunstangesehen werden. Die allerersten Feuerwaffen waren höchst unvoll-kommen , fanden schnelle Verbreitung, wurden aber nur sehr langsamvervollkommnet und hatten zwar unzweifelhaft von Anfang an einen Ein-fluss auf die Veränderung des Charakters der Kriegskunst überhaupt und
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 1. \ «