12. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldziige dieser Zeit. 307
dem sie dann die Umgegend verwüstet und die Bewohner, welche sichin die Wälder geflüchtet hatten und nach Nahrung suchend sich heraus-wagten , getödtet hatten, belagerten sie eine andere Stadt Pere '/?) miteinem Corps, das aus gefangenen Ungarn, Russen und Polowzern undeinem Theil der eigenen mongolischen Truppen zusammengesetzt war.Zuerst schickten sie die Ungarn zum Sturm, dann die Russen, endlichdie Polowzer, sie selber standen dahinter und machten die Abgewiesenenund Fliehenden nieder. Nach mehreren Wochen ununterbrochenen Stur-mes nahinen sie die Stadt, tödteten die Bewohner und zogen dann mitungeheurer Beute nomadisirend in dem verwüsteten Lande weiter. In-zwischen lockten sie durch das Versprechen sie zu schonen die in denWäldern verborgenen Bewohner in ihre Wohnungen zurück. Sie liessendurch sie das Getreide auf den Feldern einsammeln und machten siedann sämmtlich nieder.
Den Sommer und einen Theil des Herbstes brachten die Mongolen,ihrer Gewohnheit gemäss, unthätig zu, ihre Pferde pflegend und nur Ab-theilungen auf Raub aussendend. Eine dieser Abtheilungen drang sogarbis Neustadt bei Wien in Oesterreich vor. Der Winter 1241—1242 warso kalt, dass die Donau zufror. Nachdem sie beschlossen hatten, aufdas andere Donauufer überzugehen, bedienten sie sich folgender List, umzu erfahren, ob sie mit ihrem ganzen Heere über das Donaueis würdengehen können: sie liessen am linken Ufer einige von ihren Pferden undOchsen ohne Bewachung zurück und entfernten sich. Nach drei Tagenkamen Ungarn vom rechten Ufer, welche keine Mongolen sahen undannahmen, dass sie abgezogen seien, herüber und trieben die Pferde unddas Rindvieh über das Eis" an ihr Ufer hinüber. Nun gingen auch dieMongolen, welche dies heimlich beobachtet hatten, auf dem Eise über dieDonau und belagerten die Stadt Strigonj (Gran), eine der festestenStädte Ungarns. Sie wurde eingeschlossen, auf dem äussern Rande desGrabens ein Faschinenwall (durch Gefangene) aufgeführt, 30 Katapultenhinter demselben aufgestellt, ein Theil der Mauer zerschossen, der Gra-ben durch mit Erde gefüllte Säcke zugeschüttet, dann die Stadt mit Sturmgenommen; die Citadelle jedoch, die mit Ausdauer vertheidigt wurde,vermochten die Mongolen nicht zu nehmen. Zu gleicher Zeit belagertensie Alba-Julia und andere nahe gelegene Städte. Aber während sie diesebelagerten, erhielten sie die Nachricht vom Tode Oktai's, und diesrettete die belagerten Städte und ebenso das Land westlich der Donau.Die Truppen Kadan's, welche Strigonj und die andern Städte belagerthatten, wurden zur Verfolgung Bela's bestimmt, welcher von Pesth nachPressburg, von hier nach Agram, und als Kadan herankam, nachSchplit (Spalatro), Trau in Dalmatien und zuletzt auf eine benachbarteInsel geflohen war. Kadan durchzog mit ausserordentlicher Schnellig-
20*