12. Die bemei-kenswertliestcn Kriege und Feldziige dieser Zeit. 305
Ende Juni oder Anfang Juli drang nun auch Peta über einen Kar-pathenpass, der das »ungarische Thor« genannt wurde (wahrschein-lich der Jablunkapass) aus Mähren in Ungarn ein, und ebenso Subutaiund Kadan aus der Moldau. Batu selbst zog rasch gegen Pesth, Allesmit Feuer und Schwert verwüstend, und hinderte durch diese Bewegungdie Concentration aller ungarischen Streitkräfte. Auf eine halbe Tage-marschentfernung von Pesth machte er Halt und schickte Abtheilungenzur Verheerung der Umgegend aus, welche zugleich die Besatzung insFeld herauslocken sollten. Bela wollte keinen Ausfall machen, der Erz-bischof Ugolan (Ugrin) von Colocz aber, der ihn des Kleinmuths zieh,gehorchte ihm nicht, sondern brach mit einer Hand voll Leute aus der Stadtaus. Die Mongolen lockten sie in einen Sumpf, und als die schwer-bewaffneten Krieger im Schlamm steckten, umzingelten sie dieselben undSchossen sie mit Pfeilen nieder, Ugolin rettete sich nur mit Mühe. Trotzdem lag er dem Könige ferner an , Ausfälle zu machen , der König gingnicht darauf ein, und die Mongolen fuhren fort das Land zu verwüsten.Der Bischof von Wardein, welcher mit von ihm zusammengebrachtenTruppen einem mongolischen Corps nachsetzte, um demselben Beute ab-zujagen, fiel in einen Hinterhalt, wurde geschlagen und vermochte kaumnach Wardein zu entkommen, von wo er sich dann nach Pesth begab.
Endlich begann Batu, nachdem er zwei Monate vor Pesth gelegen,auf demselben Wüge zurückzugehen, auf tlem er gekommen war. Nimverliess auch Bela Pesth und nahm eine Aufstellung am westlichen oderrechten Sajoufer, unweit der über denselben führenden Brücke, welcheer durch ein Corps von 1000 Mann deckte. Die Ungarn glaubten, dassdies der einzige Punkt sei, wo die Mongolen diesen breiten und sumpfigenFluss überschreiten könnten. Inzwischen hatten Letztere in einem ThaleHalt gemacht, das auf 5 Meilen Entfernung von den Ungarn mit denSümpfen auf der andern Seite des Flusses zusammenhing, und zwar in derAbsicht, den sorglosen Feind plötzlich zu überfallen. In der Nachtgingen sie über den Fluss Sajo, theils durch eine Furt, theils über dieBrücke, von welcher sie die zur Vertbeidigung bestimmten Ungarn durchheftiges Beschiessen mit 7 Katapulten vertrieben hatten, undmir Tagesanbruch umzingelten sie das Lager der Ungarn und überschüt-teten es mit Geschossen. Die unerwartet angegriffenen und sich einge-schlossen sehenden Ungarn geriethen in Schrecken und Bestürzung, undwussten nicht, was zu thun. Nur der Bruder des Königs, Herzog Ko-loman Ugolan, und der Grossmeister des Templerordens entschlossensich auszurücken und die Mongolen anzugreifen; aber ihr beiderseitigerAngriff wurde mit grossem Verluste für sie zurückgewiesen. Nun ver-mochte weder die Ueberredungskunst des Königs, noch der Muth Ugo-lan's die Ungarn zum Verlassen des Lagers zu bewegen, sie blieben den
G-alitzin, AUgem. Kriegsgeschichte 11. 1. 20