300 II. Vom Tode Karls d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
Gegenstände, eiserne (wahrscheinlich gusseiserne) mit brennendenSubstanzen gefüllte Töpfe, welche bei der Entzündung und Explosionein donnerähnliches Geräusch machten, und diese Geschosse durchschlu-gen auf Entfernungen von 150 Fuss eiserne Panzer (augenscheinlichwaren dies also unseren Granaten und Bomben ähnliche Geschosse unddie zündende Substanz Pulver). Dieselben Brand- oder Feuergeschossewendeten die Belagerten auch gegen die unter die Mauern geführten Mi-nen der Mongolen an, ausserdem hatten sie Brand p feile, die mit der-selben Feuersubstanz gefüllt waren (Raketen) und welche Gegenständeauf eine Entfernung von 10 Fuss in Brand setzten. Diese beiden Geschossefürchteten die Mongolen mehr als Alles. Es geht aber hieraus hervor,dass bei dieser Belagerung auf beiden Seiten Feuerwaffen, Brand-substanzen und Geschosse zur Anwendung kamen.
Nach 1 ßtägigen ununterbrochenen Sturmangriffen, bei denen, wieman behauptet, auf beiden Seiten über 1 Million Menschen umkam,verzweifelte Subutai an der Einnahme der Stadt durch Gewalt undschlug vor, die Kriegsoperationen so lange auszusetzen, bis die Unterhand-lungen zu Ende geführt seien; er ging (im Mai) nach Schu-Tschjeu zurück,ohne Zweifel aber ohne Zufuhren von Lebensmitteln in die Stadt zulassen.
Einen Monat danach (im Juni) brach in derselben eine verheerendeSeuche aus, durch welche nach den Worten der Historiker 900,000 Be-erdigungen in der Stadt nothwendig wurden. Während dessen war derdie Unterhandlungen führende mongolische Gesandte nebst 30 Personenseiner Begleitung von ginischen Kriegern in dem Gasthause der StadtBjanj erschlagen worden. Zur selben Zeit nahm der Kaiser der Gineneinen mongolischen Offizier in seinen Dienst, der mit den in seiner Machtbefindlichen Städten der Provinz Schanj-Dunj zu ihm übergegangen war.In Folge dieser beiden Umstände wurden die Unterhandlungen abgebro-chen und Subutai begann die Einschliessung und Belagerung derHauptstadt von Neuem. Es brach in Letzterer eine Hungersnoth aus,und der Kaiser der Ginen, der an ihrer Rettung verzweifelte, suchte dieMongolen von ihr abzulenken, indem er sich in irgend welche feste Stadtwarf. Subutai aber bedrängte die Hauptstadt immer mehr und mehr,der Hunger nahm die furchtbarsten Dimensionen an, und endlich warendie Bewohner so weit gebracht, dass sie (zum Theil durch Verrath) imJ. 1233 die Hauptstadt den Mongolen übergaben. Subutai bat Oktai,alle Bewohner nieder zu machen und die Stadt zu schleifen, auf Grundder Gesetze der Jassa. Aber der oberste Würdenträger (erster Minister)Oktai's, der weise Eliu-Tschusai, welcher mit Recht Oktai'svolles Vertrauen besass, legte Fürsprache für Schonung aller Künstler