12. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 301
Handwerker, Beamten u. s. w. ein, welche den Mongolen nöthig undnützlich waren, und auf diese Weise wurden 400,000 Familien gerettet.Hierauf belagerten die Mongolen und die Truppen des Reiches Sun,welche auf Grund des mit ihnen geschlossenen Bündnisses ihnen zuHülfe kamen, im Octoberl"233 den Kaiser der Ginen in der Festung Zai-Dschjeu, Provinz Che-Nanj , südlich vom Flusse Chuan-Che. Die Be-satzung und die Einwohner vertheidigten sich einige Monate hindurchmit verzweifelter Ausdauer und waren drei Monate lang ganz ohne Nah-rungsmittel, so dass sie sogar Menschenfleisch assen. Endlich im J. 1234erhängte sich der Kaiser der Ginen aus Verzweiflung, die Festungwurde mit Sturm genommen, und mit derselben fiel das Reich der Ginen.
So hatten weder die grosse Bevölkerungszahl, noch die chinesischeMauer, noch der verzweifelte Widerstand der Festungen, noch breiteStröme, noch hohe Gebirge das Reich der Ginen vor den Mongolen zuretten vermocht. Die Ginen hatten ihren kriegerischen Geist nicht ein-gebüsst und mehr denn 20 Jahre lang ihre Unabhängigkeit behauptet.Aber dadurch, dass Dsehingis-Khan die Nomadenvölker unterwarf,die Unguten an sich zog, welche im Norden der grossen chinesischen Mauerumherzogen, wahrscheinlich auch mit ihrer Hülfe die Pferde der kaiser-lichen Heerden in Besitz nahm und dann alles Vieh nördlich vomChuan-CheTorttrieb , hatte er die Njutschschen der Möglichkeit beraubt,eine starke Reiterei aufzustellen, und immer neue Einfälle machend,griff er sie an, wann er wollte, verheerte sogar mit kleinen Reiter-abtheilungen ihr Land und machte es ihnen unmöglich, ein Gleich-gewicht der Kräfte wieder herzustellen. Sie waren gezwungen, sich nurauf eine Vertheidigung der Festungen und Städte zu beschränken; unterimmer weiterer Bedrängung und Verheerung des Reiches hatten dieMongolen schliesslich fast alle Festungen weggenommen, theils durchKampf, theils durch Hunger. Dies beweist, von welchem Nutzen da-mals die Steppenreiterei, wenn gut organisirt, dem Fussvolk gegen-über war, und welche Vortheile man durch deren richtige Verwendunggewinnen konnte. Ausserdem aber verstand es Dschingis-Khanvortrefflich, den Krieg vorzubereiten, die Kräfte des Feindes zu theilen,Verbündete zu gewinnen und an ihnen mächtige Stützen zur Erleichterungder Erfolge seiner Waffen zu erhalten , mit einem Worte : er war gleichgeschickt in der Politik wie in dem Kriegswesen und in der Führung.
Oktai, Tului, Subutai und die andern Khans'und Feldherrnder Mongolen hielten 50, ja 100 Jahre nach Dschingis-Khan's Todenoch genau an seinem Kriegssystem, der Art seiner Kriegführung undOperationen fest, — und nicht ohne Kunst und Erfolg. Den Beweis dafürliefern die Züge und Operationen Oktai's und Tului's in den J. 1230bis 1234 gegen das Reich der Ginen, ebenso die des Khans Kubilai,