12. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 299
Wege nach Bjanj. Von der Reiterei Tului's unablässig beunruhigt,durch Regen und Schnee im Marsche aufgehalten, von Ueberanstrengungund Hunger erschöpft, erreichten sie endlich die Stadt Schu-Tschjeu(oder Gjun-Tschjeu) und erhielten hier den Befehl, nach der Hauptstadtzu eilen. Aber gleichzeitig kam ihnen nun Oktai in den Rücken, wäh-rend Tului sie in der Front angriff, und nur Wenigen gelang es sichdurchzuschlagen und nach Schu-Tschjeu zu entkommen, die Uebri-gen wurden bis zur Hauptstadt hin verfolgt. Tului belagerte in Schu-Tschjeu die Trümmer des Ginenheeres, indem er die Stadt mit einembreiten Wall umschloss, damit Niemand entrinnen könne. Nach derEinnahme von Schu-Tschjeu wurde der grösste Theil der Ginentruppennebst deren besten Befehlshabern niedergemacht.
Im April bemächtigten sich die Mongolen fast aller Städte in derUmgebung der Hauptstadt, und Oktai, die Belagerung derselben S u b u-tai übertragend, stand mit seiner Hauptmacht bei Tschin-Tschjeu.
Die Residenzstadt Bjanj hatte einen Umfang von ca. 60 Kilometerund eine Besatzung von 40,000 Mann. Zu ihrer Unterstützung warenihnen 40,000 Mann von den Ufern des Chuan-Che und aus andern Plätzenherbeigerufen, ausserdem aber hatte man noch 20,000 Mann aus den Be-wohnern der Hauptstadt selbst genommen, so dass etwa 100.000 Mann imGanzen vorhanden waren.
Kaum hatte die Belagerung begonnen, als Oktai dem Kaiser derGinen vorschlagen Hess, sich zu ergeben; während aber die Unterhand-lungen fortdauerten, setzte Sübutai die Belagerungsarbeiten fort underbaute einen Zaun rund um den Stadtgraben, wozu er Tausende von ge-fangenen Chinesen verwendete, selbst Greise. Weiber und Kinder, undden Angriff hauptsächlich auf die ausspringenden Winkel legend, stellteer jedem derselben gegenüber 100 Ballisten auf. Aus einer Menge vonaus Bambusholz durch die Mongolen erbauten Katapulten schleudertensie Mühlsteine und grosse Feldsteine, welche sie in Stücke zerschlagenhatten. Nach mehreren Tagen unaufhörlichen Beschiessens hatten diegeworfenen Steine fast die Höhe der Mauer erreicht und waren dieThürrne und Wachthäuser vollständig zertrümmert. Um die Wirkungder Katapulten und Ballisten abzuschwächen, wendeten die Belagertenverschiedene Mittel an, und nun begannen die Mongolen Feuerballi-st en mach M. Jakinth's (Hyacinth'sj Dafürhalten — Feuerröhre nachArt der Geschütze) anzuwenden, welche indessen nur wenige Löcher indie Mauer machten. Da sie auch hierdurch die Mauern nicht zu zerstörenvermochten, begannen die Mongolen sie mit einem 1 OFuss breiten und tiefenGraben und einem Wall zu umgeben, in welchem Schiessscharten (embra-sures) und Thürme angebracht wurden. Die Belagerten ihrerseits warfenaus Katapulten steinerne Kugeln, und von den Thürmen brennende