296 II. Vom Tode KaiTs d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
verwüstet, und nun zog Dschingis-Kh.an nach China, um das Reichder Ginen endgültig zu unterwerfen. Im J. 1227 ergab sich die FestungZyn-Tschjeu in der Provinz Schanj-Dun an die Mongolen, nachdem sielänger als ein Jahr standhafte Gegenwehr geleistet und alle Schreckender Hungersnoth erfahren hatte. Im Mai 1227 brach Dschingis-K h a n von Westen her in das Reich der Ginen ein, wo seine Corps biszu den Städten Pchin-Ljanj und Fyn-Sjan vordrangen. Er selbst zogsich, als die Sommerhitze begann, in das Gebirge Liupan (35 Kilometersüdwestlich von der Stadt Gu-Juan-Tschjeu) zurück. Um diese Zeit wardie belagerte Hauptstadt der Tanguten aufs Aeusserste gebracht und derTangutenkönig L i - C hj a n willigte im Juli in die Uebergabe der Stadtund seine Unterwerfung, bat aber noch um einen Monat Aufschub.Dschingis-Khan gab seine Zustimmung, kurze Zeit danach erkrankteer schwer und starb nach acht Tagen am 16. August 1227 im 66. (nachErdmann im 73.) Lebensjahre, nach 16 Jahren ununterbrochener Kriegs-thaten und der Eroberung von fast halb Asien, welches er aber ganz undEuropa dazu hatte unterwerfen wollen und vielleicht auch erobert hätte,wenn nicht sein Tod eintrat. Ungewöhnlich grausam war seine Art derKriegführung, ein Vernichtungskrieg gegen alle ihm nicht sofort sichunterwerfenden Völker; aber seine Verordnungen, staatliche und bürger-liche, wie besonders die kriegerischen, die Kriegsorganisation, welche erder Mongolei und seinem Heere gab, seine Kriegskunst überhaupt undauch in allen speciellen Zweigen, seine ausgezeichneten Kriegsentwürfe,Handlungen und Erfolge stellen ihn als einen so ausserordentlichen Men-schen, Herrscher und Feldherrn dar, wie es deren nur wenige in der Ge-schichte gegeben, namentlich zu seiner Zeit, und nicht blos in Asien,sondern auch in Europa. In letzterer Beziehung muss man nur seine16 Jahre währenden Kriege und Züge in Asien mit den 200 Jahre dauern-den kläglichen und fruchtlosen Kreuzzügen West-Europas vergleichen,um sich davon zu überzeugen, wie sehr die ersteren höher stehen als dieletzteren.
Nach seinem Tode blieben während des darauf folgenden Inter-regnums nicht viele mongolische Truppen im Reiche der Ginen stehen.Hiervon Nutzen ziehend, brachten die Ginen einen Theil der von denMongolen ihnen entrissenen Länder wieder in ihren Besitz zurück. Aberim August 1230 rückte der auf dem Kuriltai als Nachfolger Dschingis-Khan's bestätigte Oktai mit einem mongolischen Heere in Nord-Chinaein. Die von den Ginen zurückgewonnenen Festungen wurden ihnenvon Neuem entrissen, und die den oberen Chuan-Che überschreitendenMongolen (der Uebergang fand wahrscheinlich bei Tochto-chota oderNin-Sja statt) zerstörten dort an 60 Festungen und belagerten die StadtFyn-Sjan. Um diese zu retten, schickten die Ginen ihre Truppen zum