294 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
um, nachdem er noch stärkere Kräfte beisammen hätte, hier denMongolen Widerstand zu leisten. Aber die Verfolgung durchTschschebe und Subutai war eine so schnelle, der durch dieMongolen hervorgebrachte Schrecken ein so grosser, dass, als man inKazbin von der Vernichtung der Stadt Rei (östlich unweit von Kazbin)erfuhr, die Fürsten , die Grossen und die Truppen, welche Mohamedversammelt hatte, auseinanderliefen, um Rettung zu suchen. Mohamedselber floh nach Bagdad, von da nach Giljan, Masanderan, und verbargsich endlich allein, von Allen verlassen, vor den ihm auf den Fersensitzenden Mongolen auf einer unbewohnten Insel des Kaspisees, wo ervon den Almosen seiner Unterthanen lebte, welche ihm heimlich Lebens-mittel zuführten. Auf die Nachricht, dass sein Harem von den Mongolenweggenommen sei, starb er (10. Febr. 1221) aus Kummer und in solcherDürftigkeit, dass, wie versichert wird, er nicht einmal ein Leichengewandzu seiner Beerdigung besass.
Auf dem Throne folgte ihm sein Sohn Dschellal-ud-din. Nachdemer mit seinen beiden Brüdern in Chowaresm eingetroffen (dem heutigenChiwa), zog er ein Heer von 70,000 Mann zusammen. Seine Befehls-haber jedoch, welche, an Willkür gewöhnt, den festen, energischen undstrengen Charakter Dschellal-ud-din's fürchteten, zettelten eine Ver-schwörung gegen ihn an und zwangen ihn, zu fliehen. Mit 300 Reiternschlug er sich durch eine Kette leichter Abtheilungen durch, welche dieMongolen längs der Grenze der Wüste aufgestellt hatten, die Chowaresm(oder Chorasm) von Chorassan trennt, und kam über Nissa und Nischa-bur in Ghazna (südlich von Kabul an, wo er ein Heer zu sammelnbegann.
Inzwischen hatten die von Dschihgis-Khan am Seichun aufge-stellten Corps alle festen Plätze an diesem Flusse in ihren Besitz ge-bracht. Nun brachen Dschudschi und Ogotai oder Oktai mit50,000 Mann zur Eroberung von Chowaresm auf, Dschingis-Khanselbst aber mit der Hauptmacht überschritt, nachdem er sich aller StädteTrans-Oxaniens bemächtigt, den Dscheichunfluss, machte die Einwohnervon Balch nieder und nahm alle Städte am oberen Dscheichun, mitFeuer und Schwert Alles vertilgend Während er diese Städte belagerte,schickte er seinen Feldherrn Kutuk mit einem Truppencorps nach Ka-bul, umDschellal-ud-din zu beobachten, seinen Sohn T u 1 i aber miteinem Corps zur Züchtigung der Städte von Chorassan, welche sich anTschschebe und Subutai ergeben hatten, nach deren Abzug aberauf die Nachricht von dem Zusammenziehen eines Heeres bei Ghaznasich wieder empört hatten. Tuli nahm Merw und belagerte Nischabur.Diese Belagerung ist merkwürdig durch die ungewöhnliche Ausdauer undStatthaftigkeit der Belagerer wie der Belagerten. Darauf machten die