12. Die bernerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 293
zur Stadt Buchara und von da nach Saruarkand, der Hauptstadt vonTrans-Oxanien. Hierdurch schnitt er der Besatzung von Samarkandund vieler anderer Städte den Rückzug gegen den Osten der Buchara abund deckte zugleich die Belagerung der Städte am Seichun.
In Buchara lag eine Besatzung von 20,000 Mann. Nach unaufhör-lichen , mehrere Tage lang fortgesetzten Anstürmen der Mongolen ent-schloss sich die an der Rettung der Stadt verzweifelnde Garnison durch-zubrechen, am Dscheichun aber wurde sie eingeholt und fast gänzlich auf-gerieben. Die Stadt Buchara ergab sich, und nun belagerte Dschingis-Khan Samarkand. Bei der Belagerung dieser Stadt, Buchara's undaller übrigen Plätze in Trans-Oxanien verwendete er die Landeseinwoh-ner nicht blos zu Belagerungsarbeiten, Herbeischleppen der Steine fürdie Wurfmaschinen u. s. w., sondern auch zum Sturm, an der Spitze derAngreifenden: die Mongolen selber standen hinter ihnen, und wenn dieseGefangenen zurückwichen, so machten sie sie erbarmungslos nieder oderzwangen sie von Neuem vorzustürmen (wie sie dies eben überall und beijeder Belagerung thaten ; .
Die Besatzung des belagerten Samarkand war 40,000 Mann stark.Die Mufhigsten derselben machten einen Ausfall; durch einen verstelltenRückzug lockte Dschingis-Khansiein einen Hinterhalt und hieb sienieder. Dadurch hatte er die Besatzung geschwächt, welche nun dieHoffnung auf Erhaltung der Stadt aufgab und capitulirte, sodass hier-durch die Hauptstadt von Trans-Oxanien ohne grossen Verlust im April1220 in der Mongolen Gewalt kam.
Während dessen hatte Dschingis-Khan in Erfahrung gebracht,dass Mohamed um diese Zeit auf dem Wege von Balch nach Nischabur(Nüschapur) und nur von einer kleinen Truppenschaar begleitet sei, under fasste den kühnen Plan, eine Heeresabtheilung zu entsenden, welcheihm nachjagen und durch seine Gefangennahme den Krieg entscheidensollte. Zu diesem Zwecke schickte er seine beiden tüchtigen HeerführerTschschebe und Subutai mit 30,000 Reitern und dem Befehle ab,»wenn sie auf erhebliche Kräfte stiessen, den Kampf zu vermeiden unddas Eintreffen des Hauptheeres zu erwarten; wenn aber Mohamedzurückgehen sollte, dann ihm rasch nachzufolgen und die am Wege ge-legenen festen Städte zu umgehen.«
Während Mohamed in Nischabur verweilte, durchschwammenTschschebe und Subutai den Seichun nahe bei Termed mit Hülfevon ledernen Schläuchen (s. §. 70), eilten nach Nischabur und zeigtenschon am 24. Mai ihre Vortruppen in der Umgebung dieser Stadt.Aber Mohamed hatte von ihrem Herannahen Kunde bekommen und warvor ihrem Eintreffen bereits schleunigst auf dem Wege nach Irak-Ad-schemj abgezogen, und sammelte bei Kazbin ein Heer von 30,000 Mann,