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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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292 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

Genugtuung, und da er keine erhielt, berief er im J. 1218 einen Kuril-tai zusammen, auf welchem der Krieg gegen M o h a m e d beschlossenund die Maassregeln zur Führung desselben, zur Aufstellung und Zu-sammenziehung eines Heeres erwogen wurden.

Noch zu Ende desselben J. 1218 brach Dschingis-Khan mitseinem Heere von dem oberen Kerulün auf, im Sommer 1219 war erschon an den Ufern des Irtysch, nach Zurücklegung von über 2000 Kilo-metern. Am Irtysch verweilteer, wie gewöhnlich, während der heissenSommerszeit, um die Pferde zu pflegen, im Herbst brach er zum FlusseSeichun auf, wo er im Frühjahr 1220 ankam, nachdem er die Hunger-steppe im Winter durchzogen hatte.

Mohamed war bestürzt und konnte lange zu keinem Entschlusskommen, wie er den Krieg gegen seinen furchtbaren Feind am bestenführen solle. Er konnte 1. sein Heer zusammenziehen, sich auf D schin-gis-Khan werfen, gerade als dieser nach im Winter vollbrachtemDurchzuge mit abgezehrten Pferden aus der Hungersteppe herauskam,oder aber 2. sich der Vertheidigungslinien der Flüsse Seichun undDscheichun (Syr-Darja und Amu-Darja) bedienen, wie sein SohnDschellal-ud-din und seine erfahrenen Heerführer ihm riethen.Mohamed hatte aber nicht den Muth zu einem Entscheidungskampfegegen Dschingis-Khan, denn das Jahr vorher hatte er Gelegenheitgehabt, die Tapferkeit und Geschicklichkeit der mongolischen Kriegerkennen und fürchten zu lernen, als er am Seichun mit einer wahrschein-lich zur Kecognoscirung der Wege vorausgeschickten Heeresabthei-lung derselben zusammengestossen war. In der Voraussetzung, dassDschingis-Khan nach Verheerung eines Theiles des chowaresmischenGebietes, ermüdet durch die fortgesetzten Belagerungen der vielen vor-handenen Städte und nach Einbusse eines grossen Theiles seiner Trup-pen, in seine Steppen zurückkehren werde, zog Mohamed seine Kräftenicht zusammen, vertheilte sie vielmehr als Besatzungen in die Städtezwischen Seichun und Dscheichun (Syr-Darja und Amu-Darja, die altenFlüsse Oxus und Jaxartes, weshalb dieses Land, die Culturgebiete derheutigen Bucharei und Fergan's umfassend, auch Trans-Oxaniengenannt wurde) und in Chowaresmien, und zog sich selbst vom Kriegs-schauplatze zurück.

Diese Fehler machte Dschingis-Khan sich mit besonderer Ge-schicklichkeit zu nutze. Bis zum Seichun stiess er auf keinen Wider-stand, als er weiter gegen Otrara vordrang, detachirte er nach rechtsseinen Sohn Dschudschi zur Belagerung der unterhalb Otrara amSeichun gelegenen Städte, Tschagatai und Oktai zur Belagerung vonOtrara, ein Corps nach links, um die oberhalb Otrara am Seichun liegen-den Städte zu belagern, und er selbst wandte sich mit der Hauptmacht