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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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12. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldziige dieser Zeit. 289

befestigt, sein Heer erheblich vermehrt und organisirt und seine Kriegs-mittel und Quellen vergrössert hatte, warf D seh in gis- Khan offen dasJoch der Niutschschen ab und beschloss China zu erobern. Da standihm nun ein Krieg nicht mit Nomaden-Völkern, sondern mit einem seitlange angesessenen, Ackerbau treibenden, gebildeten, zahlreichen undmächtigen Volke bevor, das ein grosses, regelrecht organisirtes und ge-schultes Heer, viele Festungen und alle Arten von Kriegsmitteln undQuellen besass. Deshalb bildet der Krieg zwischen diesem und D s cliin-gis-Khan mit seinem Mongolen-Heere einen Gegenstand von besonde-rem Interesse.

§ 94.Züge Dsehingis-Khan's in China (12111219).

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts zerfiel China in 3 Theile: 1) dasKaiserreich Niutschschi in Nord-China; 2) das Kaiserreich Sun inSüd-Chiua, gegen das vorige durch die Flüsse Chan und Chuan-Che be-grenzt und 3) das Tangutsche Königreich, welches den nordwestlichenTheil von China umfasste, zu Ende des 10. Jahrhunderts gegründet war,aber zu Dsehingis-Khan's Zeit sich dem Verfall zuneigte und an dieNiutschschen Tribut zahlte. Dieses letztere diente auch dem D schingis-Khan als erste Schule des Krieges mit den Nachbarvölkern. Seine3 Feldzüge in demselben, 1206, 1207, 1209 (s. oben), waren sozusagendie 3 Stufen zu seiner Erhöhung. Durch sie machte er sich mit den nachChina von Nordwesten her führenden Wegen bekannt, ersah durcheigene Erfahrung, welche Vorbereitungen für einen Krieg gegen ein sess-haftes Volk zu treffen waren, und hatte zugleich durch Schwächung desTangut - Reiches sich für den Krieg mit dem Niutschschen-Reiche dierechte Flanke gedeckt.

Die Niutschschen waren derselben Abstammung wie die Tanguten.An ihrer Spitze stand zu Anfang des 13. Jahrhunderts das Haus derGin ei (Gin = Gold), welches ausser Nord-China auch die Mandschurei,Korea und die Nomaden-Stämme im Norden von China unterworfen hatte.Als Dschingis-Khan das Joch der Niutschschen abwarf, erklärte erihrem Kaiser Jun-Tsi den Krieg und drang im März 1211 vom Keru-lün-Flusse her in die Grenzen von Nord-China ein. Sein Heer bestandaus Reiterei, war wohl geschult und streng diseiplinirt (s. oben). SeineKrieger hatten lederne Helme und Panzer, waren mit Bogen, Axt, Säbelund Lanze bewaffnet und hatten zum Theil auch Handpferde. Zur Ver-pflegung des Heeres folgten hinter demselben grosse Vieh-Heerden, fürden Fall schneller Märsche und Bewegungen hatten die Krieger kleineVorräthe von getrocknetem Fleische und Krut 'an der Sonne getrockne-tem Käse) bei sich.

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte II. 1. 19