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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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288 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

tai) zusammen. zu welchem er auch alle Fürsten der besiegten Stämmeeinlud. Wahrscheinlich gelang ihm mit Hülfe der erworbenen Reich-thümer, welche er an einflussreiche Personen verschenkte, es durchzu-setzen , dass er zum obersten Führer oder Gross-Khan aller ihm unter-worfenen Völker erwählt und ihm der Name Dschingis-Khan beige-legt wurde (d. h. nach d'Osson's Uebersetzung: Beherrscher derStarken). Bei dieser Gelegenheit schlug er als Richtschnur eineSammlung oder einen Codex seiner Gesetze und Verordnungen vor, welcheunter dem Namen Jassa bekannt ist, dasselbe was der Koran fürdie Mohammedaner.

Auf diese Weise hatte er in etwas über 20 Jahren sich von einem un-bedeutenden Mongolen-Khane zum Oberherrn der zahlreichen und krie-gerischen Völker gemacht, welche von den Grenzen der Mandschurei fastbis zum Irtysch, vom Baikal-See bis Tanguti und an das Reich derNiutschschen oder Gini herum wanderten.

Nach Entlassung des Reichstages fiel Dschingis-Khan unver-muthet in das Reich der Naimanen ein, tödtete ihren Fürsten, welchersich ihm nicht unterwerfen wollte und bei der Kuriltai nicht erschienenwar, und nahm einen Theil ihrer Familien, Heerden, sowie ihre gesammteHabe fort. Die Ueberbleibsel der Naimanen und der übrigen sich nichtunterwerfenden Stämme flohen über den Irtysch.

Im J. 1207 führte Dschingis-Khan einen andern Einfall in dasLand der Tanguten aus, weil sie ihm keinen Tribut gezahlt hatten, undverheerte einen Theil ihres Landes. Im J. 1208 unternahm er einen Zuggegen die über den Irtysch Geflohenen, unterwarf beim Vorbeiziehen dasLand der Oiraten, verstärkte durch Letztere sein Heer, und schlug undzersprengte seine Feinde jenseits des Irtysch. Im Herbst 1209 zog er zum3. Mal gegen die Tanguten, besiegte ihr Heer, belagerte ihre HauptstadtNin-Gia oder Nin-Sja auf dem linken Ufer des Chuan-Che, schloss aber,als er die Tochter des Tanguten-Khans zur Ehe erhielt, Frieden mit ihnenund kehrte zur Mongolei zurück. Im J. 1210 nahm er den Beherrscherder Uiguren (oder Choichoren")) unter seine Botmässigkeit auf, ebensodie kleineren Kara-China unterworfenen Stämme.

Nachdem er seine Gewalt über alle umgebenden Nomadenstämme

*) Die Uiguren waren mongolischer Abstammung, hatten sich aber mit benach-barten türkischen Stämmen vermischt und viel von ihnen angenommen. Im 9. Jahr-hundert bildeten sie ein mächtiges Keich, hingen theils dem Buddhismus, theils demChristenthum an, waren aus einem Hirtenvolk ein Ackerbau treibendes gewordenund standen auf ziemlicher Bildungsstufe. Von ihnen entlehnte Dschingis-Khandas Alphabet für die mongolische Schrift'und befahl, dass die mongolischen Kinderes lernen sollten. Ein grosser Theil seiner Schreiber und Seeretaire waren Uiguren,wie denn auch der ganze Handel der Mongolen in den Händen der Letzteren lag.