274 II. Vom Tode Karls d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
geworden war und sich ebenso wie die mongolische verhielt, bei denEinfällen der Mongolen oft allgemeine Volksbewaffnungen eintraten unddie solchergestalt aufgestellten ländlichen oder Volksaufgebote, mit allenmöglichen Waffen ausgerüstet, grösstenteils zu Fusse kämpften undhauptsächlich zur Verteidigung der Schanzen, Lager und Städte verwen-det wurden, so ging aus diesem Allen hervor: 1-. dass die russischenKriege mit den Mongolen, ja im Laufe der Zeit auch die inneren Kriegesogar allmählich den Charakter der mongolischen oder überhaupt asiati-schen Kriege annahmen, und 2. dass die russischen Fürsten suchten, dieMongolen nicht allein durch Gewalt der Waffen, Tapferkeit, Muth undKunst, sondern auch durch Ueberlegenheit der Zahl, Verheerung desLandes, um den Gegner der Mittel des Unterhalts zu berauben, durchKriegslisten, Täuschung, heimliche Operationen, plötzliche Ueberfälle,Hinterhalte, Umgehungen, — mit einem Worte durch alle die Massregelnund Kniffe zu bekämpfen und zu überwinden. welche gewöhnlich vonden asiatischen Völkern angewendet wurden.
Die Bürgerkriege der Fürsten Ost-Russlands von 1243—1353 bietenin Bezug auf die Kunst der Kriegführung kein besonderes Interesse.Zudem verlaufen diese Kriege nicht, wie in der Theilfürstenperiode, fastohne Unterbrechung, sondern es liegen im Gegentheil auch längereZwischenräume der Ruhe und des inneren Friedens zwischen denselben,welche nur durch unerhebliche vereinzelte Zwistigkeiten der Fürstenunter sich gestört wurden. So wussten, mit Ausnahme des AndreasJaroslawitsch (1247—1252), welcher .sehr zur Unzeit und äusserstunüberlegt Russland mit Gewalt der Waffen von den Mongolen zu be-freien beabsichtigte und dadurch nur einen neuen Einfall derselben ver-anlasste, der Vater des Andreas, Jaroslaw Wsewolodowitsch(1238—1247) und die Brüder Alexander Newski (1247—1263), Ja-roslaw von Twer (1263—1272) und Wassilij von Kostrom (1272 bis1276) *) im Ganzen in - einem Zeitraum von 27 Jahren durch Unterwürfig-keit die Mongolen zufrieden zu stellen und neues Elend von Russlandabzuwenden. Die Kinder und Enkel Alexander Newski's und J a-roslaw's von Twer,. welche nicht mehr an das Wohl des Vaterlandes,sondern nur an Gewinnung des grossfürstlichen Thrones für sich dach-ten, führten 52 Jahre lang (1276—1328) fortwährende Bürgerkriege,indem sie die Mongolen gegen einander herbeiriefen, und mit derenHülfe sich gegenseitig aus ihren Fürstenthümern verjagten, sich wechsel-seitig vom grossfürstlichen Throne stiessen und dadurch auf das östlicheRussland unaufhörliche Einfälle der Mongolen, Verwüstung und Elend
, *j Vergl. abweichende Angaben z. B. bei Ewers, »Gesch. d. Küssen«, Dorpat1816, u. A. Anm. d. Uebers.