11. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 273
Ungarn zu gehen, da sonst die Bewohner dieses mächtigen Landes sichzusammenziehen und die Mongolen nicht einlassen würden. Die Folgendessen: die Heeresztige B a t u 's in Ungarn und seines Feldherrn in Polen,Schlesien und Mähren in den J. 1240—41 werden au ihrer Stelle untendargestellt werden.
§.86.
Russische Kriege in der ersten Hälfte der mongolischen Periode
(1243—1353).
Im Verlauf der 100 Jahre von dem Zeitpunkte der UnterjochungRusslands durch die Mongolen (1243) bis zum Abscheiden SimeonJo-hannowitsch's des Stolzen, der schon Grossfürst von ganz Russ-land war (1353), fuhren die russischen Fürsten fort, innere Kriege zuführen, indem sie bald die Mongolen gegen einander zu Hülfe riefen, baldsich gegenseitig zur Abhaltung und Abwehr der Einfälle der Letzterenunterstützten. Zur selben Zeit fanden im Norden und Westen fast un-aufhörliche Kriege mit Schweden, dem livländischen Orden, neuen Er-oberern — den Litthauern, mit Polen und Ungarn statt. Der Charakteraller dieser Kriege, innerer wie äusserer, war im Allgemeinen im Laufedieser Zeit fast derselbe, wie in der Periode der Theilfürsten, mit demUnterschiede jedoch. dass bei den Handlungen der russischen Fürstenschon etwas mehr Einheit der Zwecke, Mittel und der Macht bemerkbarwird. Aber in den Kriegen gegen die Mongolen tritt schon eine bedeu-tende Veränderung hervor. Diese Kriege tragen auf russischer Seite denStempel der Ohnmacht, der Zaghaftigkeit, Behutsamkeit, und sind meistVertheidigungskriege. Die Unzulänglichkeit der eigenen Kräfte und derSchrecken, welchen die Mongolen eingeflösst hatten, entfernten jeden Ge-danken an ein Offensivverhalten; die einzige Sorge war, die Mongolen abzu-wehren und aufzuhalten, gelang dies, so glaubte man dem glänzendstenund entscheidendsten Siege Gleiches erreicht zu haben. Selten, und nurschüchtern und matt hielten sich Heere im freien Felde. Die Ueberlegen-heit der Mongolen und ihre eigene Ohnmacht in kriegerischer Hinsichtkennend, suchten sie sich durch natürliche oder künstliche Hindernisse zu
7 / t
verstärken : sie stellten sich in unzugänglichem Terrain auf, m ebenenund offenen Gegenden umgaben sie sich mit Verschanzungen u. s. w. ; siehielten sich möglichst nahe bei den festen Städten, in welche sie sich beider geringsten ungünstigen Wendung warfen, und hinter deren Mauernsie sich kühner vertheidigten, als im offenen Felde, wo die Mongolen anZahl und Action ihnen immer entschieden überlegen waren. Da dieReiterei schon der Haupt- und zahlreichste Theil der russischen Heere
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. I. 18