11. Die beinerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 271
Stadt bewegen sollten; die Gesandten aber wurden erschlagen, was sehrunklug war. Michael wartete indessen die Belagerung nicht ab. son-dern floh nach Ungarn, an seiner Stelle traf in Kijew ein Enkel David's,Rostislaw Mstislawitsch, aus Smolensk ein. Aber Daniel vonHalitsch, an Jahren älter, bemächtigte sich Rostislaw 's und nahmKijew selbst für sich, blieb aber nicht darin, sondern übertrug die Ver-theidigung der Stadt an den Tausender Dimitri. So stritten zu der-selben Zeit, wo ihnen schon das furchtbarste Elend von mongolischerSeite her drohte, die südrussischen Fürsten in ganz unvernünftiger Weiseum die Herrschaft in Kijew und anderen Städten oder Provinzen undflohen feige nach Ungarn und Polen, um dort Hülfe zu suchen, welcheihnen indessen nicht wurde. Kann man sich nach dem Allen noch wun-dern . dass den Mongolen volle Freiheit ward, leicht und schnell Süd-Russland zu erobern und zu verwüsten ?
Endlich erschien Batu's ganze Streitmacht auf dem linken Ufer desDnjepr Kijew gegenüber, aber um welche Zeit, das ist in unsern Chro-niken gleichfalls nicht genau angegeben. Es wird nur gesagt, dass Kijewam Nicolintage 1240 eingenommen wurde, — aber an welchem?Dem des Sommers, dem 9. Mai, oder dem des Winters, 6. December?(Nach der Lauren tjewer und Ignatjewer Chronik, Kar am sin, demMetropoliten Eugenius , und Solowjew — am 6. December — nachPolewom und Ustrjälow allein — am 9. Mai). Wenn die Eroberungvon Kijew am 6. December stattfand, wo waren und was thaten die Mon-golen Batu's dann vom Winter 1239—1240 bis zum Winter 1240—1241?Und wenn am 9. Mai, so musste der Uebergang über den Dnjepr und dieBelagerung von Kijew früher erfolgt sein (wenigstens einen Monat vorher,also im April). Wenn Kijew sich, wie anzunehmen, nicht lange behauptete,so müssten die Mongolen den Uebergang über den Dnjepr nach der Zeit desEisganges und während derUeberschwemmung ausgeführt haben, es ist aberunwahrscheinlich, dass sie das zu dieser Zeit thun konnten, noch dazu mitallen ihren Truppen, Wurfmaschinen, Fahrzeugen, Lastthieren, Kamee-len u. s. w., und dass sie es nicht lieber im November gethan haben soll-ten, über das stehende Eis. Hätten unsere Chronisten nur das eine Wort:am Sommer- oder am Winter -Nico lin 's-Tage hinzugesetzt, so warAlles klar. Aber statt dieses einen erforderlichen Wortes zogen sie vor,die unnütze und unwahrscheinliche Erzählung zu bringen, dass vordem Knarren der Wagen, dem Brüllen der Kameele unddem Wiehern der Pferde der Mongolen die Kijewer in derStadt ihre eigenen Worte nicht hören konnten! Das mageine Vorstellung davon geben, was und wie unsere Chronisten schriebenuud wie bestimmt und genau ihre Erzählungen u. a. auch in kriegerischerHinsicht waren.