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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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270 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

Vieles ungenügend, das Vorhandene nmss durch Vermuthungen und Com-binationen ergänzt werden. So z.B. ist es wahrscheinlich, dass, nachdemBatu's Heereszug in Nord-Russland in 4, 5, höchstens 6 Monaten undnicht ohne Mühe ausgeführt worden, sein Zug in Süd-Russland wenigermühsam und zeitraubend gewesen sei. Wälder und Sümpfe gab es hierweniger, obgleich grosse und kleine Flüsse in Menge. Wäre eine längereBelagerung irgend welcher Stadt vorgekommen, so hätten unsere Chro-nisten darüber nicht geschwiegen. Es ist wahrscheinlich, dass hier Allesdurch die Mongolen mehr oder weniger aufgerieben wurde, ohne erheb-lichen Widerstand zu leisten, mit wenigen Ausnahmen. Sogar die Zeit(Winter oder Sommer) der Eroberung der südlichen Fürstenthümer, derBelagerung und Einnahme solcher Städte wie Tschernigow und Kijewist nicht genau festgestellt. Nach dem Gange der Ereignisse muss manannehmen, dass Batu zuerst in die Steppen derPolowzer eindrang, dannsich gegen Gluchow und Tschernigow wandte, und eine getrennte Ab-theilung nach Perejaslawl und Kijew schickte (nach S o 1 o w j e w hingegenzog'Batu selbst gegen diese letztern beiden Städte und schickte einCorps nach Gluchow und Tschernigow; die erstere Annahme ist jedochdie wahrscheinlichere, weil Tschernigow eine grosse und stark befestigteStadt war, wie die Belagerung derselben beweist, und weil B a t usich erst Tschernigows bemächtigen musste, und erst hiernach auchKijews). Perejaslawl wurde genommen und den Flammen übergeben.voU den Bewohnern die Hälfte niedergemacht, die andere Hälfte gefan-gen genommen. Tschernigow wurde belagert und mit Wurfmaschinenstark beschossen. Es ist übrigens bekannt, dass bei dieser Belagerungdie Mongolen auf eine Entfernung von l 1 / 2 Büchsenschussweiten (150 bis200 Faden*) Steine von solcher Grösse warfen, dass vier Mann sie kaumzu heben vermochten. Da in der Umgebung von Tschernigow es keinesolche Steine gab, so muss man annehmen, dass die Mongolen sie mitsich geführt hatten, oder auch, dass sie in Theile zerlegte Mühlsteinewarfen, wie sie dies in China bei der Belagerung von Bjanj, der südlichenHauptstadt der Ginen, gethan hatten. Der Vetter des Fürsten Michaelvon Tschernigow, Mstislaw.Gljäbowitsch, welcher der Stadt zuHülfe, kam, wurde geschlagen und floh nach Ungarn. Tschernigowwurde eingenommen und niedergebrannt (ob im April oder November istunbekannt). Hiernach erschien Tului's (bei Solowjew-Ugedei's)Sohn Menü oderMengu vor Pessotschnoma Gorodka auf dem linkenDnjeprufer, Kijew gegenüber, um diese Stadt und ihre Lage zum Zweckeihrer Einnahme zu recognosciren, und schickte Gesandte an den FürstenMichael von Kijew und an die Bürger, welche diese zur Uebergabe der

1 Faden = ca. 7 Fuss = 2,134 meter. Anm. d. Uebers.