11. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 265
den Flüsse und Seen, schwierige Verbindungswege, der Unterhalt derLeute und namentlich der Pferde u. s. w. dagegen weit mehr solcherSchwierigkeiten darboten. Die Wälder waren im Sommer weit geeigneterzur Verteidigung der langen schmalen Engpässe, welche durch diesel-ben führten, zur Legung von Verstecken und Hinterhalten, Ueberfällen,Aufhaltung eines vorrückenden Feindes mit ganz geringen Kräften u. s. w.;im Winter dagegen erwiesen sich die entlaubten Bäume, die zugefrorenenSeen und Flüsse, die mit Schnee bedeckten nur schwer passirbarenEngwege und Strassen bei weitem nicht in gleicher Weise hinderlichfür den Marsch und die Operationen der Mongolen gegen die sich Verthei-digenden. Ausserdem konnten im Winter die Mongolen alle Lebensmittelund Produkte des Landes und seiner Bewohner, also Vieh, Getreide,Hafer, Heu, Stroh u. s. w. schon in den Dörfern und Städten beisammenfinden, und den Einwohnern war es weniger leicht, sich in den Orten oderin den Wäldern zu verbergen. Auch die Einnahme der Städte sogar warim Winter um so leichter, da den Belagerten nur mit grosser Mühe eineVerstärkung ihrer Befestigungen gelang: die Gräben lagen voll Schnee,was den Angriff auf die Stadtmauern erleichterte u. s. w. Endlich war,wie stets der Winter die Zeit der Kriegszüge und der Thätigkeit für dieMongolen, so der Sommer hinwiederum die Zeit der Ruhe und Erholungfür Menschen und Thiere, des Heranfütterns der Pferde, der Vorbereitungzum Winterfeldzuge, bei welchem die Mongolen weit leichter auf fremdeKosten leben, sich von fremdem Brode und ihre Pferde von fremder Fou-rage nähren konnten und nicht auf Tebenewka's, d. h. das aus demSchnee herausgescharrte Futter angewiesen waren. Kurz, den Zug zu-erst in Nord-Russland beginnen und zwar im Winter, das warin jeder Hinsicht vortheilhafter und bequemer für die Mongolen, als diesin Süd-Russland und im Sommerzu thun.
Diesem muss noch hinzugefugt werden, dass Batu gezwungen war,die Ausführung des Winterfeldzuges in Nord-Russland gegen Wladimir,besonders aber Nowgorod und Pskow, die noch weiter entfernt waren,vom 21. December an, dem Tage der Einnahme Rjäsan's, auf 2 Winter-monate, Januar und Februar, zusammenzudrängen, da nachher die Jah-reszeit der schlechten Wege eintrat. In dieser Jahreszeit konnte daszahlreiche Reiterheer der Mongolen in den nordischen Wäldern undSümpfen und beim Uebersetzen über die ausgetretenen Ströme leicht inäusserst schwierige Lagen gerathen, um so mehr, da das hier wachsendefeuchte und saftige Gras, ja schon das veränderte Wasser den daran nichtgewöhnten mongolischen Pferden sehr schädlich werden, Krankheiten,Viehseuchen bei ihnen hervorbringen konnte u. s. w. Und ohne Pferdewaren die Mongolen ohnmächtig und schwach, — hatten sie doch sogarein Sprüchwort; »der Mongole ist, ohne Pferd, nichts zu thun im Stande.«