264 II. Vom Tode Karls d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
golen durch die Wälder nach Pronsk, das Land grässlich verwüstend,am 16. Dezember trafen sie vor Ejäsan ein (dem alten Ejäsan, beim heu-tigen Flecken Spask), umgaben es mit einem Zaun, beschossen es leb-haft mit Wurfmaschinen, liefen unaufhörlich Sturm und nahmen nachfünftägiger Belagerung es schliesslich am 21. Dezember 1237 ein, plün-derten und zerstörten es, und machten Fürsten, Bojaren und alle Bewoh-ner nieder.
Von hier zog Batu nach Kolomna und Moskau, zu dem Zwecke,um in Nord-Russland im Winter Krieg zu führen. Der Ursachendazu mochte es viele geben. Der Zustand Russlands war Batu und denMongolen ohne Zweifel bekannt. Sie wussten, dass Russland zersplittertund zerrüttet war, dass die Fürsten sich unter einander befehdeten und dassRussland nur dann schwer zu erobern war, wenn diese Fürsten in Verbin-dung und gutem Einvernehmen standen, ebenso leicht dagegen, sobald ihreKräfte^getheilt und einzeln geschlagen wurden. Zudem hatte Süd-Russ-land zu dieser Zeit schon sein politisches Leben ausgelebt, welches aufden Norden, auf Wladimir, Nowgorod, Pskow übergegangen war, und inersterem hatte sich der Gedanke einer Einheit Russlands schon gebildet.Daher hätten, wenn Batu den Krieg zunächst in Süd-Russland begann,welches leichter zu überwinden war, dessen Fürsten mit ihren Druschinennach Nord-Russland gehen und dies noch verstärken können, welchesohnehin schon mächtiger und schwerer zu erobern war. Wenn er dagegenNord-Russland zuerst zertrümmerte, so nahm er Süd-Russland damit zu-gleich jede Stütze vom Norden her und hatte dann um so leichteres Spielmit demselben. Auch die Terrain- und Landesbeschaffenheit von Nord-und Süd-Russland hatte wahrscheinlich Einfluss auf den EntschlussBatu's, zuerst nach Norden, dann erst nachher gegen den Süden zuziehen. Das erstere war weit mehr mit grossen Wäldern und Sümpfenbedeckt, von grossen und kleinen Flüssen und Seen durchschnitten, undbesass im Sommer keine oder fast keine für die Bewegung der Mongolengünstigen Verbindungswege, ausser den Flüssen. Süd-Russland dagegenwar mehr offen, weniger durchschnitten und grenzte an die südlichenSteppen, in denen die Mongolen schon umhergezogen waren. Folglichwar es wohl nur die Anwendung einer Regel der Jagd, von Dschingis-Khan Schule des Krieges genannt, welche Batu vorschwebte, derRegel nämlich: »das Wild aus dem Walde auf offne Strecken treiben«.Uebrigens lässt sich der Winterfeldzug B a t u 's in Nord-Russland auchdurch die Gewohnheitsregel der Mongolen erklären, ihre Züge im Winterauszuführen, wenn die Flüsse und Seen zugefroren waren und man überallhin auf dem kürzesten und geradesten Wege gelangen konnte; ferner da-mit, dass für Nomadenvölker ein Winterfeldzug keine besonderen Schwie-rigkeiten bietet, während im Sommer die Hitze, die zu durchschwimmen-