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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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11. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 259

eines Lanzenstiches in die Brust nicht achtend. Vielleicht hätte er sichauch bis zum Eintreffen Mstislaw's mit der Hauptmacht gehalten, wennche feigen Polowzer, welche dem Andrang der Mongolen nicht Standhielten, sich nicht zur schimpflichen Flucht gewendet, die DruschinenMstislaw's in Verwirrung gebracht, Bestürzung und Schreck selbst imLager an der Kalka verbreitet hätten, wo man noch Nichts von dem Be-ginn der Schlacht wusste, weil Mstislaw von Halitsch in der Hoffnungauf einen leichten Sieg davon weder an M s t i s 1 a w von Tschernigow,noch an Mstislaw von Kijew Meldung erstattet hatte. Die unglückse-lige Folge hiervon war, dass die Mongolen sowohl Daniel wie Mstis-law überwältigten, sie aufs Haupt schlugen, ihnen einen UngeheuernVerlust beibrachten*) und die Trümmer ihres Heeres schnell und nach-drücklich bis an die Kalka verfolgten-. Der Kijewer Mstislaw, der vonder Höhe seines Berges herab sah, wie die Mongolen schonungslos dierussischen Krieger niedermachten, rührte sich nicht vom Flecke, umdiesen Hülfe zu bringen, und beschloss in seinem Stolze, sich alleinzu vertheidigen, da wo er stand. Die Mongolen, welche mit ihrer Haupt-macht die Fliehenden zur Kalka verfolgten, schlössen ihn mit einemTheile ihrer Kräfte auf dem Berge ein und griffen ihn 3 Tage nach ein-ander .mit Heftigkeit an; Mstislaw aber hielt hinter seiner Wagenburgmit hartnäckiger verzweifelter Tapferkeit die Mongolen von sich ab.Endlich griffen die Letzteren, ihrer Gewohnheit gemäss, zu List und Ver-rath. Mit ihnen waren Brodniker; den Anführer derselben, Ploskinj ,schickten sie zur Unterhandlung anMstislaw. Derselbe willigte ein,für sich und seine Druschine Lösegeld zu zahlen, und im Namen derMongolen leistete Ploskinj einen Eid und küsste sogar das Kreuz da-rauf, dass sie alle ungefährdet abziehen könnten. Kaum aber hatten dierussischen Fürsten und Truppen ihr Lager verlassen, so wurden siesämmtlich von den Mongolen niedergehauen und Ploskinj, selbst bandMstislaw, Andreas und Alexander von Dubowez zusammen undführte sie in das Zelt des mongolischen Feldherrn, wo sie zwischen Ta-feln (Platten, Betten) gelegt wurden und auf ihren erstickenden Körpernsich die Führer zum Schmausje niedersetzten.

Inzwischen war der unvorsichtige, aber auch unglückliche Mstis-

*) Von dem gesammten russischen Heere kam etwa Vio m it dem Leben davon;von den Kijewern auf dem Berge kamen allein an 10,000 Mann um. Unter den Er-schlagenen befanden sich 8 Fürsten: Swjatoslaw von Janow, Isjaslaw Ing-warowitsck, Swjatoslaw vonSchum, der Tschernigower Mstislaw, seinSohn und Georg Neswischski und der berühmte Held Alexander Popowitschnebst 70 Abenteurern. Das war eine wirkliche Vernichtungsschlacht in der Art, wiespäter die von M a m a j e w, nur in umgekehrtem Sinne, sie hat ausserdem einigeAehnlichkeit mit der von Marengo in der neuern Zeit.

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