258 II. Vom Tode Karls d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
schweren Fehler (die Erklärung hierfür s. oben und später in dem überdie Mongolen Gesagten), welcher für Russlaud die bittersten Früchte trug.
Nach siebzehntägigem Marsche machte das russische Heer bei Oleschauf dem rechten Ufer des untern Dnjepr Halt, um die übrigen Halitscherund volhynischen Druschinen abzuwarten, welche auf 1000 Kähnen denDnjestr hinabschwammen, später in den Dnjepr einfuhren und bei demFlusse Chortitza halten blieben. Hier stiessen zu den russischen Dru-schinen auch die Polowzer und hier fanden sich neue mongolische Ge-sandte ein, welche den Fürsten erklärten, dass sie, den Polowzern Gehörgebend, die mongolischen Abgesandten getödtet hätten und den Mongolenentgegen zögen, welche ihnen kein Uebles gethan hätten, — Gott solle nunzwischen ihnen richten. Diese Gesandten wurden von den Fürsten unge-kränkt entlassen, und kurz darauf erschienen auf dem andern Ufer diemongolischen Vortruppen (welche, mongolischer Gewohnheit gemäss,weit vorausgesandt waren, um die Gegner zu recognosciren und fortzu-reissen). Daniel schwamm mit den Halitschern sofort durch denDnjepr und warf sich auf die Mongolen, welche nach kurzer Gegenwehr(wahrscheinlich nur zum Scheine) die Flucht ergriffen. Mstislaw vonHalitsch jagte ihnen mit 1000 Reitern nach, zersprengte sie und nahmihnen eine Menge Vieh ab. Der Anführer der Mongolen, Gimjalek,verbarg sich in einer Höhle, wurde aber von den Russen gefunden undvon Polowzern getödtet, — ein weiterer Grund, die Mongolen zu erzUrnen.
Dieser erste Erfolg der russischen Fürsten flösste ihnen ein so un-kluges Selbstvertrauen ein, dass sie in unvorsichtiger Weise weiter nachOsten gingen und nach 9 Tagen an der Kalka oder Kalika (heutigeKaletz, welcher nach seiner Vereinigung mit dem Kalmius bei Mariupolisins asowsche Meer mündet) ankamen, wo ein leichtes Scharmützel mitden Mongolen stattfand. Hier entstanden, zum neuen Unglück, Zerwürf-nisse zwischen den Fürsten: Ms-tislaw von Kijew wollte (sehr verstän-dig) nicht mit den Uebrigen über die Kalka gehen, sondern lagerte undverschanzte sich auf dem rechten Ufer auf einer felsigen Höhe. Der Halit-scher Mstislaw dagegen überschritt mit den übrigen Fürsten und denPolowzern am 31. Mai 1224*) die Kalka, schickte Daniel von Volky-nien und Jarun, den Polowzer-Führer, voraus und folgte mit der Haupt-macht ihnen nach. Daniel stiess bald aufzahlreiche mongolische Ab-theilungen, welche zuerst auf ihn losstürzten. Daniel hielt den Anprallmuthig aus und focht mit Oleg von Kursk, der ihn unterstützte, Mstis-law von Peresopnitz u. A. tapfer im Handgemenge mit den Mongolen,
*) So sagen unsre Annalisten; — die chinesischen und mongolischen geben 1223an. Nach Abulghasi vereinigte sich Subutai (nach der Schlacht an der Kalka;mit Dschingis-Khan an der Grenze der Grossen Bucharei, wo Letzterer sich imFrühjahr 1224 befand.