10. Die bemerkenswertesten Kriege und Feklzüge dieser Zeit. 253
stellten sich jenseits desselben mit ihrem starken Heere auf, in welchemausser den fürstlichen Druschinen sich auch Brodniker und Susdaler be-waffnete Bürger und sogar bäuerliche Fusssoldaten*) befanden. MitStolz alle Friedensanträge Ms tislaw 's verwerfend, theilten sie schondas russische Keich unter sich, forderten Mstislaw und seine Verbünde-ten zum Kampfe auf dem weiten Lipetzleer Felde heraus und bezogeneine feste Stellung auf dem Awdowaberge**) hinter einem Walde,indem sie ihr Lager mit Flechtwerk und einem Zaun umgaben. Mstis-law folgte ihnen und stellte sich auf dem Jurj ewer Berge auf. DasFlüsschen Tunega trennte beide Heere. Mstislaw schickte einen Theilder nowgoroder Druschine voraus, um den Feind zu täuschen. Denganzen Tag über (20. April) wurde geplänkelt, aber die Susdalen gingennicht aus ihrem Lager. Am andern Tage (21. April) griff Mstislawzu der List, dass er einen Scheinmarsch nach der Flanke gegen Wladimirhin machte. In dem Glauben, dass er abziehe, rückte Georg aus seinemLager, stieg von dem Awdowaberge herab und kam aus dem Walde her-vor, Jaroslaw auf seinem linken Flügel, der Fürst von Murom auf demrechten, er selber in der Mitte. Nun wandte Mstislaw sich plötzlichschnell zurück, formirte die Smoljanen auf dem linken, die Bostowzerund Jaroslawer auf dem rechten Flügel, die Nowgoroder und Pskowiterim Centrum und führte einen geschlossenen, allgemeinen kräftigen An-griff gegen Georg aus. In der hieraus sich entwickelnden heissen undblutigen Schlacht (bekannt in der Geschichte unter dem Namen »Schlachtvon Lipetzk«) wurde das Heer Georg's und seiner Verbündeten aufsHaupt geschlagen und nach allen Seiten zersprengt, verlor über 9000 ge-meine Soldaten, die gefallen waren, ebenso blieben 60 vornehme Bojarenund Muschei von Susdal in der Schlacht oder waren gefangen genommen.Georg floh nach Wladimir, Jaroslaw nach Perejaslawl; Mstislawaber, aus Mitleid und Grossmuth gegen die Besiegten verfolgte sie nicht,befahl Land und Einwohner zu schonen und zog nach Wladimir, das ereinschloss. Georg, Jaroslaw, Wladimir und ihre Bojaren erklär-ten ihm ihre Unterwerfung. Er schloss Frieden mit ihnen und zog inWladimir mit Constantin ein, welcher zum Grossfürsten ausgerufenwurde und an Georg die Stadt Badilow an der Wolga abtrat. Jaros-law verharrte bei seinen Absichten; als aber Mstislaw mit seinen undConstantin's Druschinen gegen Perejaslawl rückte, unterwarf sich
*) Nach den Werken der Chronisten waren »bei dem Fürsten Juri (Georg)Banner (Regimenter) 17, Trompeten 40 und ebensoviele Handpauken, bei Ja-roslaw aber 13 Banner und 60 Trompe'ten und Handpauken.« Folglich warenes allein 30 fürstliche Druschinen oder Regimenter.
**) Die Lage des Awdowaberges ist nicht genau bekannt und muss um JurjewPolska gewesen sein.