10. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 249
und endlich gezwungen, von Kampf und Durst ermattet, sich einen Wegzum Flusse mit Gewalt zu bahnen. Hier wurden die Fürsten vollkommeneingeschlossen und mussten nach furchtbarem Kampfe der überlegenenMacht der Polowzer erliegen. Igor gerieth mit seinem Sohne, seinenVerwandten und einer kleinen Zahl von Kriegern (nicht mehr als15 Russen und noch weniger Kowujen) in Gefangenschaft, sie wurden indie Dörfer der Polowzer geführt, alle übrigen Russen, Kowujen und dertapfere Wsewolod waren im Kampfe gefallen.
Nachdem sie diesen glänzenden Erfolg erfochten, drangen die Po-lowzer gegen die russischen Grenzen vor; da sie aber erfuhren, dass dierussischen Fürsten und Druschinen sich sammelten, wagten sie nichtweiter zu geben. Kaum aber hatten sich die russischen Fürsten und Dru-schinen zerstreut, so ergossen sich die Polowzer unter Anführung derKhane Kontschak und Ksa über die russischen Grenzen. Zum Glückfür die Russen brach unter den polowzischen Führern Uneinigkeit aus:die Einen wollten auf Kijew gehen, die Andern in das unbeschützte Landbis zum Flusse Sema. Die Folge davon war, dass die Polowzer sichtheilten und auf die Nachricht, dass die russischen Fürsten entschlossensich zur Wehr zu setzen am Dnjepr, Desna und Sema ständen, nichtweiter vorzudringen wagten. Ksa branntePutiwl nieder und nahm einigeder Städte an der Sula, Kontschak aber ging heimlich vom DnjeprnachPerejaslawl. Wladimir vonPerejaslaw zog ihm entgegen, kämpftetapfer und gerieth in Lebensgefahr; die Polowzer, nur mit Hülfe derzu den Waffen greifenden Bürger von Perejaslawl vertrieben, wand-ten sich nach Romnam, zündeten diese Stadt an und zogen dann ab.Kurze Zeit nachher gelang es Igor aus ihrer Gefangenschaft zu entfliehen,und er kehrte in sein Vaterland zurück.
§.82.Züge des Mstislaw Udaly (1212—1222).
Mstislaw, mit dem Beinamen Udaly, Sohn Mstislaw Rostis-1 a w i t s c h's des T a p f er n, einer der besten und verdienstvollsten russi-schen Fürsten aus der dem Einfalle der Mongolen vorhergehenden Zeit,betheiligte sich mit Auszeichnung an den Kriegen: gegen die Polowzer(1193), Rurik's von Kijew gegen Roman von Volhynien (1196), unddann gegen Wsewolod den Rothen oder Rothhaarigen (1207), underlangte nach Beendigung der letzteren Kriege, indem er von Kijew nachSmolensk zog, von demSmolenskerFürsten Mstislaw Romanowitschdie Stadt Toropez als Antheil (1209). Mit Kummer blickte er auf dieBürgerkriege der Fürsten und das Elend Russlands und trachtete, fernvon selbstsüchtigen Plänen der Herrschsucht, nur darum Macht undAnsehen