248 II- Vom Tode KaiTs d. Gr. bis zur Einführung der Feuenvaffen.
die Polowzer kühn an, besiegte sie und schlug sie in die Flucht. DieFürsten setzten ihnen nach, und an den Ufern des Ugol oder Orel (einesbei dem heutigen Flecken Orlika in den Dnjepr einmündenden Flüss-chens) brachten sie denselben eine furchtbare Niederlage bei, nahmenihnen reiche Beute, eine Menge Pferde und Waffen und an 7000 Gefan-gene ab, unter denen der Khan Kobjak nebst zwei Söhnen und 417Für-sten. Aber von einer andern Seite her rückte schon der Khan Kontschakmit ebenso starker Macht und, wie die Chronisten erzählen, mit ungeheu-ren Armbrüsten oder Maschinen, welche kaum von 50 Kriegern regiertwerden konnten, und mit einer unbekannten Art von Geschützen, welchelebendiges Feuer (vielleicht griechisches) schössen und von einemBesurmenin oderBesermen(einemrechtgläubigenMohamedaner,wahr-scheinlich Sarazene oder Türke) gehandhabt wurden, gegen die russischenFürsten heran. Trotzdem, vielleicht sogar gerade wegen dieser schwe-ren unbeholfenen Maschinen, wurde Kontschak (am 1. März 1185) beidem Chorolflusse geschlagen und floh, indem er in den Händen der russi-schen Fürsten eine Menge Gefangener, Waffen, Pferde, Vieh und seinegesammten Wurf- und Feuermaschinen nebst den sie bedienenden Be-surmeninen zurückliess.
Einige Monate nachher brach Igor Swjatoslawitsch, Fürst vonNowgorod Sjäverski, der an jenem Zuge der russischen Fürsten nichthatte.Theil nehmen können und von Eifersucht auf deren Ruhm und Er-folge getrieben wurde, mit seinem Sohn Wladimir, den Druschinen vonSjäverski, seinem Bruder Wsewolod von Turowsk, einem Verwandten,Swj atoslaw Olegowitsch von Rylsk, deren Druschinen und den vonihnen bei dem tschernigowschen Fürsten gemietheten Druschinen derKowujer (eben solche Steppen-, Wanderstämme wie die Klobuken) zueinem Zuge gegen die Polowzer auf. Nachdem sie den Donetz über-schritten und sich an den Ufern des Oskol vereinigt hatten, rückten siezum Don und Sal vor. Auf die Kunde hiervon zogen Kontschak undfünf andere Khane bedeutende Kräfte zusammen und gingen den Fürstenentgegen. Bald stiessen die russischen Druschinen mit der Vorhut derPolowzer zusammen (zwischen Oskol und Don, an den Ufern des Sjuur-lia, möglicherweise der heutige Sura), besiegten sie, machten reiche Beute,und feierten nun, stolz auf diesen Sieg, denselben drei Tage lang auf demSchlachtfelde, wonach sie über den Don in das Küstengebiet dringen, dieBarbaren vernichten und ewigen Euhm erlangen wollten. Diesesübermässige Selbstvertrauen hatte höchst verderbliche Folgen für sie.Sie marschirten zum Salnitza-(Sal-)Flusse und von da weiter zum Kajal-flusse (Kagalnik). Jenseits dieses letzten Flusses wurden sie von denPolowzern umzingelt, vom Flüsse abgeschnitten, drei Tage lang aus derFerne, unter Vermeidung eines Nahegefechtes, mit Pfeilen beschossen,