Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

238 II. Vom Tode KaiTs d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

mcn, und Gewinnung reicher Beute von den Wolga-Bolgaren, einemgewerbe- und handeltreibenden Volke , dessen Reichthuni die russischenFürsten im höchsten Grade anreizte.

Aber wie die inneren, so bieten auch die äusseren Kriege der Russenin der Periode der Sonderfürsten, obgleich in politischer Hinsicht sehrwichtig und reich an glänzenden Kriegsthaten der russischen Fürstenund Heere, und obgleich in ihnen zahlreiche mehr oder weniger ge-schickte Operationen vorkommen, doch im Allgemeinen betrachtetin Bezug auf die eigentliche Kunst der Kriegführung, nichts besondersBemerkenswerthes dar. Es wird daher genügen, nur einige der Kriegeund Feldzüge in Kürze zu besprechen, welche durch die Wichtigkeitihrer Zwecke, oder der Mittel und Kräfte, welche in ihnen zur Verwen-dung kamen, oder durch ihre Folgen hervorragendes Interesse bieten.

§ 79 -Feldzüge Wladimir's Monomachus (10761125).

Kaum einer der russischen Fürsten des Alterthums kann mit Wla-dimir Mono mach us verglichen werden in Bezug auf lange ununter-brochene Dauer, Nützlichkeit und reichen Ruhm der kriegerischenThätigkeit, welche dieser weise Politiker und glänzende Kriegsmannentfaltete. Fast 50 Jahre lang führte er Kriege zum Nutzen des rus-sischen Landes, dem er im Innern Frieden gab, während er nachAussen sein Wächter und Beschützer war. Seine kriegerische Thätigkeitist wahrhaft erstaunlich , seine Waffen waren den äusseren und innerenFeinden, namentlich den Polowzern , furchtbar und ein Schreck. »Allemeine Feldzüge«, sagt Monomachus selbst in dem Testament an seineKinder, »waren 83 an der Zahl, der weniger wichtigen erwähne ich nicht.Ich schloss mit den Polowzern 19 Friedensverträge, machte über 100ihrer besten Fürsten zu Gefangenen und entliess sie aus der Gefangen-schaft, und über 200 habe ich tödten und in Flüssen ertränken lassen.«Dieses Testament des Monomachus giebt ausser dem, dass es eininteressantes Denkmal der Sitten, Gebräuche und Anschauungen jenerZeit bildet, auch Zeugniss von der ausserordentlichen kriegerischen Weis-heit, Erfahrung und Kunst des Monomachus selbst.

Seine erste Kriegsthat. er war damals noch Fürst von Smolensk.war ein vier Monate dauernder Zug nach Schlesien zur Hülfe des Polen-königs BoleslawIII. Kriwousty (Schiefmaul) gegen den Herzog vonBöhmen (1076) mit den Druschinen seines Oheims, des GrossfürstenSwjatoslaw von Kijew und seines Vaters W s e w o 1 o d von Perejaslaw,und gemeinschaftlich mit dem Sohne Swjatoslaw's, Oleg von Vol-hynien. Wladimir und Oleg, die Stammväter der beiden in _der Folge