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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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10. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 237

Im Westen nahmen Ungarn und Polen unablässig Antheil an deninneren Fehden der Fürsten Süd-, und besonders Südwest-Russlands, wodas halitscherFürstenthum das beständige Ziel des Begehrens der Königevon Ungarn und von Polen bildete. Die gefährlichsten Nachbarn Russ-lands im Westen waren aber seit Ende des 12. Jahrhunderts die Litthauer.Bis dahin waren die Fürsten des westlichen Russlands, der Polotzker,Volhynier u. A., ohne Unterlass in das Land der Litthauer eingefallen,hatten es geplündert und verwüstet, von seinen Bewohnern Tribut er-hoben und sie derart gereizt, dass zu Ende des 12. Jahrhunderts (1183)die Litthauer nun ihrerseits unaufhörliche und furchtbare Verheerungs-zuge in die Gebiete von Pskow, Polotzk, Volhynien, sogar auch vonNowgorod und Smolensk zu unternehmen begannen, im J. 1224 in Russ-land selbst eindrangen und im J. 1239 fast sich Smolensks bemächtigthätten.

Im Süden waren die Polowzer die beständigen und furchtbarenFeinde der Russen, die Kriege mit denselben hatten seit ihrer Nieder-lassung schon während der letzten Regierungsjahre Jaroslaw's I.(10361054) auf dem Räume zwischen unterm Dnjepr und Wolga begon-nen und dauerten ohne Unterbrechung fort bis zu deren gleichzeitig mitRussland erfolgenden Unterwerfung durch die Mongolen (1240), d. h.ganze 2 Jahrhunderte hindurch. Sehr häufig treten sie als Verbündeterussischer Fürsten in deren inneren Fehden auf, von diesen herbeigerufenund auf bestimmte Frist gegen Sold gemiethet, öfter noch erscheinen sieals Feinde Russlands, dessen Südgrenzen verheerend und plündernd unddann in ihre Steppen zurückkehrend, beladen mit reicher Beute und vie-len Gefangenen. Aber die Fürsten Sud-Russlands rächten sich dafürdurch ebensolche furchtbare und meist glückliche Verheerungszüge oderEinfälle in ihre Steppen zwischen Dnjepr und Donau. Sehr oft vollführ-ten sie diese Züge mit vereinten und erheblichen Kräften unter Anfüh-rung von Grossfürsten oder Aeltesten (Oberhäuptern) ihrer Geschlechter.Unter diesen Feldzügen sind die bei weitem bemerkenswerthesten die derJahre 1101 und 1111 unter Anführung von W1 a d i m i r M o n o m a c h u s,die Züge des nördlichen fürstlichen Bruderpaares Wsewolod und Igor(11841185), und einige andere. Der Zug von Wsewolod Georgie-witsch (1198) in das Gebiet der Polowzer war der letzte: von nun anbeschränkten die russischen Fürsten sich auf die blosse Abwehr der Ein-fälle der Polowzer und auf den Schutz der russischen Grenzen.

Im Osten endlich lagen die russischen Fürsten im Kampfe mit denfinnischen an der Wolga ansässigen Stämmen: Tscheremissen, Mordwen,Meschtschereii u. s. w. und mit den Wolga-Bolgaren. Der Zweck dieserKriege war die Ausdehnung und Beschützung der Grenzen Russlandsnach dieser Seite, die Eintreibung von Abgaben von den finnischen Stäm-