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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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10. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzttge dieser Zeit. 235

rod verknüpft war. Demnächst aber wurden die Bürgerkriege gewöhn-lich von grösseren oder kleineren Bünden und den verbündeten Truppender Fürsten unter der obersten Gewalt und Anführung des Gross- oderältesten Fürsten des Geschlechtes geführt. Nach dem Tode Georg Dol-goruki's dagegen, als die Hauptgeschlechter in viele Linien sich zer-theilten und Bussland in eine Menge unabhängiger Fürstenthümer zerfiel,da brachen auch die Kriege der Fürsten so zu sagen auseinander in lauterkleine Familien- oder Geschlechtsfehden, in welchen auch der letzteSchatten einer Einheit der Ziele, Kräfte und Gewalt verschwunden war.Jeder einzelne Stamm, jeder Sonderfürst kämpfte um die Unabhängigkeitund Selbständigkeit seines Theil- oder seines Sonderfürstenthums, nebenden Ansprüchen auf den Thron des Grossfürsten und den Besitz vonKijew und Nowgorod. Kurzum, in der zweiten Hälfte der Theilfürsten-Periode bieten die inneren Kriege der russischen Fürsten bereits eineauffallende Aehnlichkeit mit den Feudalstreitigkeiten und Fehden inWest-Europa. »

Ohne auf eine genauere Betrachtung der Bürgerkriege in der Periodeder Theilfürsten einzugehen, wird es genügen, die hauptsächlichsten Er-scheinungen und Züge derselben zu berühren.

In der ersten Hälfte dieser Periode war der Hauptschauplatz derinneren Kriege SUd-Russland und hier vorzugsweise die Provinzen Kijewund Tschernigow, der Hauptoperationspunkt Kijew, und die wesentlich-sten Operationen bestanden in unaufhörlichen Zügen nach Süd-Russlandund Kijew. Am wichtigsten waren demnächst die Unternehmungengegen Nowgorod und Polotzk. Unter Georg Dolgoruki begann derKampf Susdals gegen Kijew, der mit dem Fall des Letzteren endete(schon unter Andreas Bogolj ubski im J. 1169).

In der zweiten Hälfte der Thoilfürsteu-Periode sind das nordöstlicheund südwestliche Bussland der Hauptschauplatz der kleinen Bürgerkriege,welche die verschiedenen Fürstengeschlechter: der Polotzker, Volhynier,Halitscher, Tschernigoren, Smolensker und Susdaler, sowie die Fürstenvon Nowgorod und Pskow gegen einander führen, Hauptoperationsobjectesind Nowgorod, Susdal und Halitsch, und wesentlichste Operationen sinddie Kämpfe dieser Letzteren untereinander.

Während aber Russland im Innern durch die Kriege seiner Fürstenzerrissen wurde, hörte es nicht auf, nach Aussen fortwährende und meistglückliche Kriege mit seinen Nachbarn: den finnischen Stämmen undspäter den Schweden, Ungarn, Polowzern und Wolga-Bolgaren zu führen.

Im Norden führte Nowgorod glückliche Kriege mit den finnischenStämmen, welche nördlich und südlich des finnischen Meerbusens, derNewa und des Ladoga-Sees wohnten, ebenso im fernen Nordosten, imSawolotsch, den Dwina-Ländern und am Uralgebirgc. Diese Kriege