10. Die bemerkenswertesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit; 233
unfähig; er selbst und die Mehrzahl der Anführer und Krieger war ver-wundet, Hülfe von nirgendsher zu erwarten, Hoffnung auf Rettung gabes nicht, und mit Schmerz sah Swjatoslaw sich genöthigt, von Tzi-miskes Frieden zu erbitten. Tzimiskes bewilligte denselben mitFreuden, versorgte, den Muth und die Tapferkeit des Gegners hoch ehrend,denselben mit Lebensmitteln, gab ihm den Weg über die Donau frei undversprach sogar auf Swjato slaw's Bitte, die Petschenegen zur Erlaub-niss eines freien Durchzuges mit dem Heere durch ihr Land zu bewegen.Nach persönlicher Zusammenkunft Beider auf-dem rechten Donau-Uferfuhr Swj atoslaw zu Schiffe die Donau hinab ins Meer (nach den Wor-ten unsers Chronisten mit einer kleinen Drusch ine, wie aber derbyzantinische Geschichtschreiber angiebt, mit 22,000 Mann). An derDnjepr-Mündung anlangend erfuhr er, dass die Petschenegen ihn schonan den Stromschnellen dieses Flusses in feindlicher Absicht erwarteten.Mit seiner kleinen Schaar wagte er sich nicht mit Gewalt durchzuschla-gen, und da er aus Kijew Hülfe zu erhalten hoffte, so blieb er den Winterüber in Bjeloberesch an der Dnjepr-Mündung. Aber in Kijew wusste mauNichts von ihm und von der ihm drohenden Gefahr, und deshalb kamauch von dort keine Hülfe. In Bjeloberesch verbrachte Swjatoslawund seine Druschina einen höchst elenden-Winter und wäre fast Hungersgestorben. Der Wojewode Swjeneld rieth Swjatoslaw, die Dnjepr-Stromschnellen auf dem Lande zu umgehen, aber S wj a t o s 1 a w ver-warf diesen wohlgemeinten Rath und brach im Frühjahr 972 gegen dieKatarakte zu Schiffe auf. An den Fällen (wahrscheinlich da, wo gewöhn-lich die Schiffe über Land auf Tragen geschafft werden) überfielen diePetschenegen seine schwache Schaar und machten den grösstenTheil der-selben nieder, Swj atoslaw selbst fiel im Kampfe, mit dem Reste ge-lang es Swj eneld sich durchzuschlagen und Kijew zu erreichen.
Die Feldzüge Swjato slaw's geben im Allgemeinen das beste Bildvon der Führung und dem Charakter der Kriege unter den ersten russi-schen Fürsten, im Besondern aber sind seine Feldzüge in Bolgarien undder Krieg mit Bolgaren und Griechen noch sehr ähnlich denen der altenHunnen, Gotheu und anderer Eroberungsvölker, welche von Asien inEuropa einwanderten, ganz besonders aber der Normannen. Dieselbenungerechtfertigten Triebe zu Einfällen und Eroberungen zum Zwecke derNiederlassung, verbunden mit einer barbarischen Kriegführung, mitPlünderung und Verwüstung des ganzen durchzogenen Gebietes. Krie-gerischer Sinn, Kühnheit, waghalsige Verwegenheit, Muth und Tapfer-keit waren reichlich, Besonnenheit — namentlich bei Swjatoslaw —sehr wenig vorhanden, Kunst aber am allerwenigsten. In Wahrheit warSwjatoslaw ein kühner rauher Krieger, ein normannischer Warjagerdem Geiste nach, ein sagenhafter Held, aber Nichts weniger als ein