232 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
Am 24. Juli erfolgte der letzte Entscheidungskampf vor Dorostol.Am Morgen zog Swj atoslaw aus der Stadt und Hess, um seinem Heerejede Hoffnung auf Rettung in dieselbe zu benehmen, die Stadtthore zu-schliessen. Dann machte er einen geschlossenen, heftigen und gewaltigenAngriff auf die Griechen und zwang, unter Benutzung der Vortheile desdurchschnittenen, den Operationen seines Fussvolks ebenso günstigen,als der Action der griechischen Reiterei ungünstigen Terrains die Griechenzum Zurückgehen. Tzimiskes befahl, den Rückzug bis zu der rück-wärts gelegenen Ebene fortzusetzen , aber das half den Griechen wenig,die bis zum Mittag fortwüthende Schlacht hatte keinen entschiedenenErfolg, weder auf der einen noch auf der andern Seite. Nach kurzer Rast,während welcher des Tzimiskes Krieger sich erfrischt und neue Kräftegesammelt hatten, während die Swj atoslaw's, von der brennendenMittagshitze ermattet, Hunger und Durst nicht zu stillen vermochten,begann der Kampf von Neuem mit noch erhöhter Wuth. BardasSkle-ros umging mit einem Theil der Truppen Swj atoslaw in Flanke undRücken und schnitt ihn von der Stadt ab, Tzimiskes griff mit derHauptmacht in eng geschlossener Phalanx ihn von vorn an. Es entstandein furchtbares Handgemenge. Swj atoslaw wurde von einem griechi-schen Krieger, dem Athleten Anemach os, am Schlüsselbein verwundetund vom Pferde gerissen. Mit Wuth stürzten sich seine Krieger auf dieGriechen und drängten sie zurück. Schon neigte sich der Sieg auf ihreSeite, als ein furchtbares Unwetter mit Donner und Blitz und Orkan los-brach. Vom Staub geblendet, den der Wind ihnen grade ins Gesichttrieb, in heidnischem Aberglauben von dem Gewitter geschreckt, in wel-chem sie den Zorn ihres Donner-Gottes erblickten, geriethen Swj atos-law's Krieger in Verwirrung und begannen zur Stadt zurückzuweichen.Nun stiessen sie aber auf die im Hinterhalt liegende Abtheilung desSkieros, wichen sich theilend nach den Seiten aus in der Hoffnung,sich zur Stadt durchzuschlagen, und wurden nun von den Griechenverfolgt und überall in die Flucht geschlagen; nur eine ganz geringeZahl erreichte die Stadt, auf dem Schlachtfelde waren (wenn manden byzantinischen Schriftstellern glauben kann) an 15,000 Gefallene undan 20,000 Schilde liegen geblieben. Mit einem Worte, Swj atoslaw waraufs Haupt geschlagen, die Griechen hatten einen entscheidenden undglänzenden Sieg erfochten, welchen sie der wunderbaren Hülfe des hei-ligen Theodorws Stratelatos zuschrieben. Hiernach war Swja-toslaw's Lage eine äusserst verzweifelte: von 60,000 Mann waren ihm 'noch kaum 22,000 Mann übrig geblieben, von denen die Hälfte kampf-
wahr sein sollte, so ist es doch vollständig im Charakter Swj atoslaw's und sei -nerDruschine (Leibwache) ausgedrückt.