10. Die benierkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 231
behalten wieder in Dorostol an. Tzimiskes befahl seiner Flotille ver-schärfte Wachsamkeit und schloss zu Lande die Stadt noch enger ein,indem er alle Wege mit Gräben durchzog und überall Wachen aufstellte.Da ihnen somit alle Möglichkeit abgeschnitten war, zum Einsammeln vonLebensmitteln aus der Stadt zu kommen, so litten die Truppen Swja-toslaw's furchtbar durch Hunger und hatten ausserdem grosse Verlustedurch die griechischen Wurfmaschinen. Um diese Letzteren zu zerstören,machte eine auserlesene russische Abtheilung am 19. Juli einen Ausfall.In dem sich entspinnenden Scharmützel wurde der Befehlshaber der grie-chischen Wurfmaschinen getödtet. Die Soldaten Swjatoslaw's hielten,seiner reichen Kleidung halber, diesen für den Kaiser selbst, kehrten imTriumph in die Stadt zurück und pflanzten den Kopf des erschlagenengriechischen Befehlshabers am andern Tage auf einem der Stadtthürmeauf. Um den hierdurch seiner Meinung nach auf die Griechen hervorge-brachten Eindruck zu benutzen, führte Swjatoslaw am 20. Juli einenheftigen Ausfall aus. Die Griechen traten demselben in dichter Phalanxentgegen und drängten die Gegner zurück, welche langsam und wohlge-ordnet in die Stadt zurückwichen, die Rücken mit ihren grossen Schildendeckend und auf dem Schlachtfelde eine Menge Gefallener zurücklassend(unter welchen die Griechen eine Menge Weiber fanden; vielleicht hattendie Krieger Swjatoslaw's ihre Frauen mit sich nach Bulgarien genom-men und diese fochten nun mit ihren Gatten gemeinschaftlich).
Schon dauerte die Belagerung von Dorostol fast 3 Monate und dieLage Swjatoslaw's war auf den höchsten Grad der Noth gekommen.Sein Heer starb Hungers, die Zahl desselben verminderte sich mit jedemTage durch die Verluste bei den zahlreichen Ausfällen. Gefechten undTreffen. Das griechische Heer dagegen erhielt täglich neuen Zuwachsdurch neu eintreffende Verstärkungen und hatte Ueberfluss an Lebens-mitteln und allen erforderlichen Vorräthen. In dieser verzweifelten Lageberief Swj atoslaw seine Druschine zu einem Rathe zusammen. DieEinen schlugen vor, bei Nacht sich auf Schiffen über die Donau zu retten,die Andern riethen, mit Tzimiskes Frieden zu schliessen. Swjatos-law aber, das Eine wie das Andre verwerfend, feuerte sie Alle inkräftiger Rede*) an, noch einmal das Glück im Kampfe zu versuchenund zu siegen oder mit Ehren zu fallen.
*) »Schon können wir uns nirgend mehr hinwenden , freiwillig oder gezwungen• müssen wir dem Feinde Stand halten; — und so schänden wir denn nicht den russi-schen Boden . sondern bedecken wir ihn mit unsern Gebeinen , es schämen sich dieTodten nicht. Wenn wir aber fliehen, werden wir Schande haben. Wir wollen nichtfliehen, sondern feststehen ; ich werde euch vorangehen. Wenn mein Kopf gefallensein wird , dann denkt an Euch«. Da antworteten die Krieger : »wo dein Haupt lie-gen wird, da sollen auch die unsrigen liegen«. (Nestor.) Wenn dies auch nicht