10. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldziige dieser Zeit. 227
Im J. 967 hatte sich der griechische Kaiser NicephorusPhokas,erzürnt gegen den bolgarischen König Peter, weil dieser die Ugrieroder Wengrier (Ungarn) nicht vom Ueberschreiten der Donau abgehaltenund ihnen gestattet hatte, die Nord-Provinzen des Reiches zu verheeren,— den Patrizier Kalokirus, Sohn des Statthalters in der griechischenProvinz Cherson, an Swjatoslaw gesendet und durch dessen Vermitt-lung , — wie Andre meinen, um den Preis von 15 Centnern Goldes. —diesen zum Kriege gegen die Donau-Bolgaren bewogen. Swjatoslawfuhr im J. 968 mit einem zahlreichen Heere (nach der zu bezweifelndenAngabe des Chronisten an 60,000 Mann) auf Nachen aus dem Dnjepr zurSee in die Donau. 30,000 Bolgaren wollten sich seiner Landung am rech-ten Donau-Ufer entgegenstellen, wurden aber geschlagen, und Swja-toslaw unterwarf und plünderte viele bulgarische Städte, darunter auchKlein-Preslawa oder Perejaslawez (das alte Marcianopel, heutige Pra-wodü), und das stark befestigte Dorostol oder Dristra (heutige Silistria).Ein bedeutender Theil der Bulgaren fiel von Peter ab und trat aufSeite Swjatoslaw's; Zar Peter starb aus Kummer und hinterliesszwei Söhne, Boris undRomanus. Die Leichtigkeit der Eroberung,die Annehmlichkeit des Klimas und die günstige Handelslage derBolgarei lockten Swjatoslaw so, dass er, wenn unseren ChronistenGlauben zu schenken ist, sich in der Bolgarei fest zu setzen undseine Hauptstadt von Kijew nach Perejaslawl zu verlegen gedachte.Die Nachricht aber von der Belagerung Kijews durch die Petsche-negen nöthigte ihn, unter Zurücklassung eines Theiles seiner Truppenin Perejaslawez und Dorostol, mit dem Rest eiligst zum Entsätze vonKijew aufzubrechen. Während er dorthin schiffte, hatte sein WojewodePretitsch ein kleines Truppenkorps auf dem andern Dnjepr-Ufer zu-sammengebracht, mit diesem den Dnjepr überschritten und die Petsche-negen glauben gemacht, dass er die Vorhut des hinter ihm vom unternDnjepr heranrückenden Swjatoslaw sei. Die erschreckten Petsche-negen zogen sich in ihre Steppe zurück, und als nun Swjatoslaw vorKijew eintraf, setzte er ihnen sogleich nach, holte sie ein. schlug sie undzwang sie zum Frieden (969).
Nach dem bald erfolgten Tode seiner Mutter Olga wandte Swja-toslaw sich abermals (970) nach Bulgarien, um seine Eroberungen dort,nicht für den Kaiser, sondern für sich selbst zu vervollständigen. In-zwischen hatten während seiner Abwesenheit die Bolgaren die StädtePerejaslawl und Dorostol angegriffen und sich der ersteren wiederbemächtigt. Swjatoslaw fand, als er die Donau hinabfuhr, kein Hin-derniss bei der Landung, aber die Bolgaren verlegten ihm den Weg nachPerejaslawl. Swjatoslaw schlug sie, erstürmte Perejaslawl und hattebinnen Kurzem sich der Mehrzahl der bolgarischen Städte bemächtigt.
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