220 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
den Erfolg fortgerissen, wandte er sich mit einem Heere von 80,000 Manngegen die Griechen und Türken in der festen Absicht, Constantinopelzu erobern, und vielleicht wäre ihm dies gelungen und hätte er da-selbst und auf der ganzen Balkan-Halbinsel ein slawisches recht-gläubiges Reich gegründet und dem Schicksal derselben eine gänz-lich andere Richtung gegeben. Aber sein Tod, 18. December 1355,durchkreuzte alle seine Hoffnungen, das serbischeReich zerfiel undward ohnmächtig, während es unter Stephan Duschan den höchstenGrad der Macht erreicht hatte. In der That hatte Stephan über dasheutige Serbien, Slawonien, einen Theil von Albanien und Romanien(Rumelien), und über fast ganz Macedonien unbeschränkt geherrscht,von Bosnien und dem bulgarischen Reiche Tribut erhoben, und warSchutzherr und Vertheidiger von Dubrownik (Ragusa) gewesen. Die Ge-fahr von Seite Ungarns hatte sich vermindert, Constantinopel und dasbyzantinische Reich sich nur mit Mühe behauptet. Unglücklicherweiseaber hatte Stephan bei aller seiner Klugheit sich eingebildet, dass erder König über den Königen sein müsse, und die Macht der Zupane zusehr gestärkt, die rechtgläubige wie die römisch-katholische Geistlichkeitund deren Anhang und Gemeinden gegen sich aufgebracht, der Feind-schaft der Einen wie der Andern keine Aufmerksamkeit geschenkt, —und so konnte sein Gedanke der Gründung eines slawischen Reiches aufder Balkan-Halbinsel sich auch nach seinem Tode nicht verwirklichen.
§.74.Kriege der Donau-Bolgaren.
Schon oben (§. 67.) ward die Geschichte der Donau-Bolgaren seitder Zeit ihrer Niederlassung in den Donau-Provinzen kurz dargestellt.Zur Vervollständigung müssen wir hier noch eine Skizze der Kriege vom8. bis zum 14. Jahrhundert geben.
Der grosse Kaiser Constantin Kopronymos (741—774) hättedas neue bulgarische Reich beinahe zerstört, indem er die Unruhen sichzu nutze machte, welche bis 762 daselbst herrschten. Aber im J. 807 ge-wannen die Bolgaren unter ihrem Könige C r u m u s (Khan K r u m) nichtallein alles durch die Griechen ihnen entrissene Gebiet wieder zurück,sondern eroberten auch noch Sardica (das heutige Triaditza), verheertenMacedonien und belagerten mit den Arabern und Slawen gemeinschaft-lich Constantinopel.
Simeon, einer der kriegerischsten Könige Bulgariens (888—942,,lag während seiner ganzen Regierungszeit im Kampf nicht nur mit denGriechen, gegen welche *er häufig mit den Arabern oder Sarazenen ver-bündet war, sondern auch mit allen übrigen Nachbarvölkern, Serben,