214 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
Thron gestiegen, konnte er endlich nach Wazlaw's Tode, 1305, sichbeim dritten Mal auf demselben behaupten und erwarb sich in seiner28jährigen Regierung (bis 1333) den Ruhm des Wiedervereiners,Friedensstifters und des Wohlthäters Polens. Indem er im Inneren dieOrdnung wiederherstellte, schützte er gleichzeitig dasselbe auf alle Weisenach aussen. Vor Allem vertrieb er die tschechischen Heere aus den ver-schiedenen Orten im Westen, in Schlesien und in Gross-Polen. Gegendie Danziger Pommern, welche sich erhoben und ein brandenburgischesHeer zu Hülfe gerufen hatten, riefWladislaw seinerseits die Deutsch-Ritter zu Hülfe, denen er (1307) die Vertheidigung von Danzig anver-traute. Als aber die Brandenburger abgezogen waren, räumte der Gross-meister der deutschen Ritter Danzig nicht nur nicht, sondern bemächtigtesich ganzPommerellens, in das er sich mit dem Markgrafen von Brandenburgund dem Fürsten von Stettin theilte (1308). Hiernach verlegte der Gross-meister des Ordens, Siegfried, seinen Wohnsitz aus Deutschland nachMarlienburg an der Weichsel, das nun die neue Residenz des Ordens unterdem Namen Marienburg wurde. Wladislaw brachte seine Klagenüber den Orden vor den Pabst Johann XXII. und bat zugleich um Ver-leihung der Königswürde. Da aber dieser Schritt erfolglos blieb, so Hesser sich von dem Erzbischof von Gnesen in Krakau zum Könige krönen(20. Januar 1319), und Krakau ward von nun an die Hauptstadt desKönigreichs Polen. Der hierdurch bei den schlesischen und masowischenFürsten erregte Neid veranlasste die Ersteren, sich freiwillig der KroneBöhmen zu unterwerfen (1322—1327), und die Letzteren machte derKönig von Böhmen durch Gewalt und mit Hülfe des Ordens (1329) zuseinen Lehnsvasallen.
Nun entschloss sich Wladislaw, um Pommerellen wieder zu gewin-nen und den äussern Feinden Widerstand zu leisten, zu einem Bündnissmit einem der gefährlichsten von diesen, dem Fürsten Gedimin vonLitthauen. Dieses Land hatte seit dem Ende des 12. Jahrhunderts unterder Regierung des fürstlichen Geschlechtes Ljutowar's inmitten der esumgebenden Völker immer mehr Ansehen gewonnen und unter Vithe-nes bereits ein entschiedenes Uebergewicht über Polen und West-Russ-land erlangt, unter Gedimin aber war es sogar zu einem grossen undmächtigen litthauisch-russischen Reiche angewachsen. Gedimin hatteseine Macht über West-Russland mehr durch Politik als durch Waffengewaltausgedehnt, nach Süden mit den Mongolen oder Tataren den Frieden er-halten, und es sich besonders angelegen sein lassen, den deutschen Ordenzu bändigen, welcher Litthauen zu unterwerfen bemüht war. Diesbrachte ihn mit Wladislaw in nähere Berührung. Der Letztere hattesich nach Seite Ungarns durch die Vermählung seiner Tochter mit demKönige Carl Robert gesichert und vermählte seinen SohnCasimir mit