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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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9. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Zeit. 209

Woitjech von Prag, und 999 entriss er den Tschechen Krakau undOberschlesien, überstieg die Karpathen und nahm den Ungarn das Landbis zur Stadt Ostregom (Strigon) weg. Die laute Kunde von seinenKriegsthaten bewog sogar den Kaiser Otto III. im J. 1000 nach Gnesenzu reisen, um mit Boleslaw ein geheimes Bündniss gegen die Elb-Slawen zu schliessen. Indem er ihm vorschlug, sie zu unterwerfen, undseine Krone ihm übergab, sicherte er zugleich die politische Selbständig-keit Polens gegen Uebergriffe der deutschen Kaiser.

Nach seinem Tode (1002) machte Boleslaw sich die in dem Kaiser-reiche und Böhmen herrschenden Unruhen zu nutze, bemächtigte sich derMark Meissen, und dann auch Böhmens und Mährens (1003). Die Folgedavon war ein Krieg mit Kaiser Heinrich demLahmen, welcher mitUnterbrechungen 15 Jahre dauerte. Im Verlaufe derselben drang Bo-leslaw bis zur Elbe und Saale vor, die Lausitzer und Meissener Städtegingen aus einer Hand in die andere, und endlich vereinte in dem Friedens-verträge von Bautzen (oder Budissin), 1018, Boleslaw das LjubuscherLand, einige Städte Böhmens und Mährens, Schlesiens und die Lausitzbis zur schwarzen Elster mit Polen. Durch denselben Vertrag hatte ersich vom Kaiser einHülfsheer ausbedungen, mit welchem er selber seinenaus Kijew vertriebenen Schwager Swjatopolk dort wieder einführte,auf den Thron setzte und auf dem Rückwege sich das tscherwonnischeRussland (Czerwonien, Roth-Russland) aneignete (1020). Nachdem ersich solchergestalt zum Begründer eines ausgedehnten Reiches gemacht,Hess er sich kurz vor seinem Tode (1025) durch seine Bischöfe noch zumKönig krönen.

Dies waren die Kriegsthaten dieses grossen polnischen Herrschersund Feldherrn, der sich würdig in eine Reihe stellt mit Swj atopolkvon Mähren und den Przemysliden von Böhmen.

Nach seinem Tode gingen im Laufe von 15 Jahren innerer Unruhenunter seinem Sohne Mieczyslaw IL (10251034) und während desInterregnums (10341040) alle Eroberungen Boleslaw's für Polenwieder verloren. Die Tschechen rissen die mährischen Städte los undzerstörten Krakau (1026), Jaroslaw von Kijew eroberte Roth-Russlandzurück (1031), ebenso die Deutschen die Lausitz und die anderen Eib-länder (1032), die Pommern fielen ab und mussten zwar, von Mieczys-law besiegt, sich zur Zahlung eines Tributes bequemen, warteten abernur auf die Gelegenheit, sich gänzlich frei zu machen. Nach dem TodeMieczyslaw's, während der Unruhen des Interregnums, nahm dertschechische Brzetislaw Krakau und Oberschlesien und drang bisGmesen vor, welches er plünderte (1093), die Masovier aber rissensich los.

Mieczyslaw's Sohn Casimir I. (10401058), der von Kaiser

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 1. 14