9. Die benierkenswerthesten Kriege und Feldziige dieser Zeit. . 205
die Kunde hiervon Hess Karlmann Swjatopolk frei und sendete ihnmit einer starken bayerischen Schaar nach Mähren. Aber in Mährenangelangt trat Swjatopolk mit seinen Anhängern in Verbindung, vertriebdie Deutschen, und Gross-Mähren mit den Ländern der Slowenen und Slo-waken, und sogar die Tschechen und die Gebirgs-Serben (an der oberenElbe) vereinigten sich unter Swjatopolk's Herrschaft und begannenihm die Abgaben zu zahlen, welche sie bisher an die Deutschen entrich-tet hatten. Eine Folge davon waren unaufhörliche Kriege zwischen ihnenund den Mähren gegen die Deutschen, oft sehr glücklich für die Ersteren.Im J. 871 söhnte sich Ludwig mit Swjatopolk aus, und dieserFriede, gleichwie die Theilung Deutschlands nach Ludwig's Tode (876)in drei Theile, und das Bündniss Swj atop olk's mit Arnulf, Herzogvon Kärnthen und Pannonien, waren für Mähren sehr günstig. Aber imJ. 882 wurde der Friede durch einen Einfall Swjatopolk's in Panno-,nien, wo er die deutschen Niederlassungen verheeren Hess, gebrochen.884 erschien Kaiser Karl der Dicke, welcher für kurze Zeit das ReichKarl's d. Gr. wieder vereinigt hatte, in Pannonien. Auf einer Zusam-menkunft in der Nähe des heutigen Wien veranlasste Swj atopolk denKaiser Karl, auf Pannonien Verzicht zu leisten, womit 885 sich auchArnulf einverstanden erklärte, der mit Hülfe Swjatopolk's denKaiser Karl vom Throne setzte und aus Dankbarkeit für diese Unter-stützung im J. 890 seine Rechte auf Böhmen an Swjatopolk abtrat;von nun an wurde Böhmen mit Gross-Mähren vereint. Auf diese Weiseerschien Swjatopolk als Herrscher des unabhängigen, selbständigen,grossen und mächtigen Reiches Gross-Mähren, in dessen Verband ganzMähren mit Pannonien, die Länder der Slowenen, der Slowaken und derBöhmen eingetreten waren. Die Macht Swjatopolk's erschreckte dieDeutschen, und im J. 892 drangen drei deutsche Heere, von Arnulf ge-führt, von verschiedenen Seiten in Mähren ein, während von Osten herdie von Arnulf aufgereizten Ungarn in dasselbe einfielen. Die deut-schen Schriftsteller versichern, dass Swjatopolk in diesem Kampfefiel, die slawischen dagegen, dass er über Arnulf die Oberhand gewon-nen und im Herbst 894 ihn zum Frieden gezwungen habe, bald daraufaber gestorben sei, nachdem er sein ausgedehntes Reich unter seine dreiSöhne getheilt hatte.
Dies waren die ruhmreichen Thaten Swjatopolk's, eines von denwenigen grossen Männern des 9. Jahrhunderts, des klugen, tapferen undbegabten slawischen Herrschers, welcher mit Recht der Grosse ge-nannt wird. Leider erlaubte sein Tod nicht eine längere Ausdehnung,Erweiterung und Befestigung des von ihm gegründeten grossen slawi-schen Reiches, und die nach seinem Tode in Mähren ausbrechendeninneren Unruhen führten dasselbe raschem Verfalle, der Zerstückelung