206 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
durch Deutsche, Ungarn und Polen entgegen. Die Bewohner des anBöhmen grenzenden Theiles von Mähren unterwarfen sich freiwillig demböhmischen Herzoge Wratislaw, welcher nach Vertreibung der Un-garn aus Mähren seine Herrschaft bis zur Morawa (March) ausdehnte.
Während dessen war Böhmen bis zur Vereinigung mit Mähren wievordem in mehrere selbständige Fürstenthümer getheilt gewesen. Vondiesen erlangten zur Zeit Swj atopolk's d. Gr. die Prager Herzöge all-mählich die Oberhand, Nachkommen der in den tschechischen Volks-überlieferungen berühmten Libussa und ihres Gemahls Przemysl,welcher der Stammvater des in der Folge berühmten tschechischen Königs-geschlechts der Przemysliden wurde. Nach dem Tode aber Swj ato-polk's zwang ein Einfall der Ungarn im J. 895 die Tschechen, sich frei-willig Deutschland zu unterwerfen, mit welchem Lande Böhmen von nunan vereint blieb. Der mächtige und ehrgeizige Tschechenherzog Boles-law I'. (936—967) unterjochte, nachdem er seinen Bruder WenzeslawoderWetscheslaw den Heiligen (925—936) ermordet hatte, mehreretschechische noch unabhängig gebliebene Fürstenthümer und beabsichtigtesogar das deutsche Joch von Böhmen abzuschütteln, was ihm jedoch nichtgelang. Dagegen breitete sein Sohn B o 1 e s 1 a w II. durch Waffengewalt seineMacht über Mähren bis zur Weichsel und zum Bug aus. Allein diese Erober-ungen wurden seinen sich gegenseitig befehdenden Söhnen wieder entrissendurch den Herzog von Polen (späteren König) Boleslaw den Tapfe-ren (s. u.). Wratschislaw I. (1037 —1055) setzte sich durch Ge-walt der Waffen in den Besitz Mährens, welches von diesem Zeit-punkt an nicht mehr von Böhmen getrennt worden ist. Wratislaw IL(1061—1092) endlich empfing vom Kaiser Heinrich IV. im J. 1086 dieKönigswürde, und sein Enkel WladislawII. (1140—1173) wurde 1157durch Kaiser Friedrich I. aufs Neue in dieser Würde bestätigt, Beidein Lehnsabhängigkeit vom Reiche und mit Zahlung von Abgaben an das-selbe. Nach Wladislaw IL wurden 24 Jahre lang (von 1140—1197)von 10 Fürsten aus dem regierenden Hause Bürgerkriege um den schwan-kenden Thron geführt und die Hohenstaufen verfügten darüber nachWillkür, demjenigen ihn übergebend, welcher die meisten Abgabenzahlte.
Aber vom J. 1197 an bis 1306 verstand das in Böhmen herrschendeberühmte Haus der Przemysliden durch seine Politik und besondersdurch Waffengewalt das böhmische Königreich bedeutend zu vergrössern,zu stärken und ruhmreich zu machen, die königliche Gewalt zur erb-lichen zu erheben und auf die höchste Stufe der Macht zu bringen, ähn-lich so, wie Swjatopolk d. Gr. im 9. Jahrhundert es in Gross-Mährengethan hatte. Den Anfang dazu machte Przemysl Ottokar I.(1197 — 1230). Sein Enkel Przemysl Ottokar IL (1253—1278)