204 H. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
ohne besondere Resultate und Folgen ausgeführt. Die Böhmen setztensich so ausdauernd, tapfer und mit Erfolg zur Wehre, dass es ihnen ge-lang, bis 822 ihre Unabhängigkeit zu bewahren, wo sie endlich gezwun-gen wurden, Tribut an Ludwig zu zahlen. Aber häufig noch weigertensie sich dessen und kämpften mit schwankendem Erfolge gegen die deut-schen Heere, welche in Böhmen eindrangen. Im J. 849 verlor Ludwigdort sogar seine ganze Armee.
Mähren wurde noch gegen das Ende des Lebens Karl's d. Gr. denFranken tributär, indem Karl d. Gr. dem mährischen Fürsten Samos-law einen Tribut auferlegte. Des Letzteren Sohn Moimir war schonVasall des Sohnes Karl's d. Gr., Ludwig's d. Frammen, ward aberdurch die Intriguen des Letzteren im J. 846 vom Throne gestürzt und ausMähren verbannt, und sein Verwandter, Rostislaw, trat an dessenStelle. 9 Jahre danach, 855, unternahm Ludwig, welcher das Bestre-ben der mährischen Fürsten nach Unabhängigkeit von Deutschland be-merkte, einen Feldzug in Mähren. Aber Rostislaw besiegte ihn, gingüber die Donau und verheerte Ludwig's Gebiet. Im J. 858 schickteLetzterer drei Armeen unter Führung seiner Söhne gegen die Obotriten,Elb-Serben und Mähren. Aber auch in diesem Jahre hatte Ludwig'sHeer in Mähren kein Glück. Einige Jahre später trat Rostislaw aufdie Seite Karlmann's, Sohnes Ludwig's, in dessen Kriege gegenseinen Vater. Aber sei es nun, dass Rostislaw in diesem Kriege vomGlück verlassen, sei es, dass er von seinem Verbündeten, dem mähri-schen Fürsten Kozjäl oder Kotel, und dessen Anverwandten Swja-topolk verrathen wurde, — genug er sah sich bald gezwungen mitLudwig einen Frieden zu schliessen, dessen Hauptbedingung die war,dass Mähren dem religiösen und politischen Bündnisse mit dem byzanti-nischen Reiche entsagen und sich dem Abendlande anschliessen sollte.Die darüber aufgebrachten Mähren zettelten einen neuen Krieg mit denDeutschen an, und dieser Krieg war für Mähren unglücklich. Karl-mann, der sich mit seinem Vater ausgesöhnt hatte, verheerte Mährenaufs Furchtbarste, Rostislaw wurde 869 zweimal besiegt und 870 vonSwjatopolk gefangen genommen, welcher zu den Deutschen über-gegangen war und ihnen denselben auslieferte; er wurde verurtheilt,geblendet und in ein Kloster gesperrt.
Swjatopolk oder Swjatopluk wollte Jenes Besitzungen mitseinem Fürstenthume vereinigen, aber die kaiserlichen Reichsheere hattensie verwüstet und behielten sie in ihrem Besitz. Swjatopolk wider-setzte sich nicht, er erregte aber Verdacht bei den. Deutschen und wurde871 auf Karlmann's Befehl in den Kerker geworfen. Die Mähren,welche den Deutschen nicht unterworfen sein mochten, riefen Slawo-mir, einen Verwandten Swjatopolk's, zu ihrem Fürsten aus. Auf