200 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
weg, machte die Bewohner nieder, und während dessen beobachtetenbesondere Corps die befestigten Städte, Burgen u. s. w. Etwaige Be-lagerungen wurden in der angegebenen Weise ausgeführt. Näherte mansich dem feindlichen Hauptheere , so wurden alle zerstreuten, mit Beob-achtung der Städte, Kaub, Weide des Viehs u. s. w. beauftragten Ab-theilungen der Mongolen zu bestimmter Zeit und Stelle zusammengezogenund die Armee marschirte und rückte zum Kampfe vor, wie oben angege-ben wurde.
Breite Ströme, wie derAmu-Darja, Dnjepr u. s. w. hielten die Mon-golen keineswegs auf. Sie durchschwammen dieselben, an den Schwän-zen ihrer Pferde sich festhaltend, nachdem sie Schläuche mit denWaffen, ihrer Kleidung und ihren Vorräthen sich um den Leib fest-gebunden hatten, oder indem sie dieselben auf Flössen von Schilfrohrhinter sich herzogen.
Dschingis-Khan begann seine Feldzüge gewöhnlich im Herbstwenn seine Pferde und Kameele nach der Sommerweide sich in gutemStande befanden. Zu diesem Zwecke Messen die Mongolen während derSommerhitze ihre Pferde und Kameele weiden und sie selbst ruhten,nachdem sie vorher das Land ringsum zu grösserer Sicherheit verwüstethatten. Wenn sie in Lagern campirten, sowohl in Friedens- wie inKriegszeiten, umgaben sie. falls irgend Gefahr eines feindlichen Angriffsdrohte, ihr Lager mit Wall und Graben u. s. w.
Die Verwüstung des feindlichen Landes und die Vernichtung seinerwaffentragenden Bewohner bildeten einen der Hauptgrundsätze vonDschingis-Khan's Kriegssystem. Nach dessen Bestimmungen wur-den Empörer und Unruhestifter mit dem Tode bestraft, die Familien unddie Habe der Besiegten gingen in das Eigenthum des Siegers über. Inreichbevölkerten Staaten tödteten die Mongolen alle diejenigen, welchesie je nach der Dauer ihres Aufenthaltes in demselben als ihnen unnützerachteten (nicht also die, welche sie gebrauchen konnten: Hand-werker , Arbeiter, auch die Geistlichkeit, Gesetzkundige, Gelehrteü. s. w. ; welche Einfluss aufs t Volk hatten, oder deren Mitwirkung gegendie eigenen Mitbürger sie anfänglich gebrauchten). Die Verwendungder Gefangenen zu Arbeiten, der Zuwachs an Menschen, welche sievon den ruhigen und unterworfenen Völkern heranzogen, die Verstär-kungen , welche andere Wanderstämme ihnen zuführten, die Regel,dass die verbündeten Truppen vorn hingestellt, die eigenen in Reservegehalten wurden, dies Alles zusammen war die Ursache, dass die Mon-golen, wie gesagt, nicht allein nicht sich an Bevölkerungszahl vermin-derten, sondern noch erheblich zunahmen. Nach den Worten des Abul-ghasi hatte Dschingis-Khan nach seines Vaters Tode im Ganzen