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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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8. Die gleichzeitigen Völker in Ost-Europa und Asien. 201

an 40,000 Kibitken oder Familien, und als er starb, hinterliess er seinenKindern 120,000 wirklich mongolische Krieger.

Von den auf Kriegspolitik und Eegierung bezüglichen VorschriftenDschingis-Khan's sind die folgenden höchst interessanten unserhalten geblieben: 1. Keinen Frieden abschliessen, ehe man nicht denFeind vollkommen besiegt oder geschwächt hat; 2. Alle Religionenbeschützen, aber keine gegen die andere bevorzugen, und keinerlei Sek-ten dulden; 3. Schutz angedeihen lassen der Geistlichkeit, solchen Per-sonen , die durch ihre Gottesfurcht bekannt sind. Gesetzeskundigen,Aerzten, Künstlern, Kaufleuten. Handwerkern, Arbeitern und Bettlern,indem die Einen von Abgaben, die Andern von öffentlichen Pflichtenoder Aemtern, die dritten von schweren Arbeiten befreit blieben u. s. w.;4. Obgleich der Thron des Khans ein erblicher ist, so erfolgt dennocheine Wahl zum Khan auf einem Reichstage, unter den NachkommenDschingis-Khan's und den Würdigsten und Fähigsten. Der zumKhan Erwählte frug die Vorsitzenden Grossen und Würdenträger, obsie bereit seien, zu gehen, wohin, vor ihm zu erscheinen, wann,zu tödten, wen er befehle? und wenn die Antwort »Ja« lautete, so riefer: »von heute an wird mein Wort für Euch ein Schwert sein«. Wurdeaber ein Khan abgesetzt, gleichfalls durch einen Reichstag, wegenUnfähigkeit oder Verletzung der Grundbestimmungen. so wurdeer in den Kerker geworfen und jegliche Verbindung mit ihm auf-gehoben.

Dies war die Kriegsorganisation und das Heerwesen der Mongolenunter Dschingis-Khan, entstanden und ausgeführt ganz allein durchdiesen aussergewöhnlichen, ja man kann sagen, genialen Mann, Regen-ten und Heerführer. Sie sind hier mit einiger Ausführlichkeit behandeltworden, da dies angemessen schien 1. deshalb, weil sie sich auf eineder allerschrecklichsten und wunderbarsten Epochen der Geschichtebeziehen, in welcher sich Dschingis-Khan's Plan der Unterwerfungvon ganz Asien, von ganz Europa, ja der ganzen Welt fast erfüllt hatte.2. deshalb, weil Dschingis-Khan seine colossalen Eroberungennicht, wie die Griechen, Römer und späteren Eroberer mit dem Fuss-volke vollbrachte, sondern mit der Reiterei, die, obgleich den mittel-asiatischen Nomadenstämmen entnommen, dennoch eine reguläre, aller-dings in eigenthümlicher Weise organisirte. aber vorzüglich disciplinirtewar und weil die ganze Verfassung seines Heeres weit höher stand, alsdie der gleichzeitigen asiatische nund europäischen Heere, und dies ausdem alleinigen Grunde der aussergewöhnlichen persönlichen, staats-männischen, politischen und kriegerischen Gaben Dschingis-Khan"s,welcher würdig ist, in der Reihe der grossen Feldherrn der Geschiebtezustehen, und endlich 3. weil sein Kriegssystem besondere Bedeu-