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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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198 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

selbst blieben in Reserve dahinter, theils um sie zu leiten und zu unter-stützen, hauptsächlich aber um sie mit Gewalt vorwärts zu treiben; werentfliehen wollte, wurde niedergemacht. Auf diese Weise nahmen sie dieStädte, so zu sagen, durch die ihnen unterworfenen Völker, ihre Gefan-genen und Verbündeten ein und schonten ihre eigenen Truppen (woraussich auch erklärt, dass sie trotz ihrer unaufhörlichen Kriege nicht alleinnicht schwächer wurden, sondern sich noch verstärkten). Durch ununter-brochene Angriffe bei Tage und bei Nacht Messen sie der Besatzung undden Einwohnern keine Ruhe, auch construirten und verwendeten sie diedamals bekannten Kriegs- und Belagerungsmaschinen (zu deren Ausfüh-rung Dschingis-Khan in China und Persien geschickte Techniker ge-funden hatte). Auch Feuer und Wasser diente ihnen zur Zerstörung derStädte: sie kannten den Gebrauch von Brandstoffen und Geschossen,des griechischen Feuers etc. zur Verbrennung der Holzconstructionen, undverstanden Ueberschwemmungen, unterirdische Gänge. Minen u. s. w.anzulegen. Ueberhaupt stand die Kunst der Einnahme feindlicher Städtedurch regelmässige Belagerungen bei ihnen auf hoher Vollkommenheitund ihre ungeheuren Belagerungsarbeiten, wie die Sicherheit, ausser-ordentliche Kraft und zerstörende Wirkung ihrer Belagerungsgeschlitze(Bailisten und Katapulten) und ihrer Mauerbrecher und Widder *) hättenden alten Griechen und Römern Ehre gemacht. Dabei Hessen sie keineKriegslist unversucht, Täuschungen, lockende Versprechungen, grausameDrohungen gegen die Garnison und die Einwohner der Stadt; bisweilenfingirten sie den Abzug und fielen, sobald die Besatzung nachlässigwurde, unvermuthet über sie her und drangen so in die Stadt. Hattensie einmal eine Belagerung angefangen, so hoben sie sie selten auf, son-dern setzten sie mit Ausdauer so lange fort, bis sie die Stadt durch Ge-walt, Hunger, Ueberfall, List oder Kapitulation in ihre Gewalt gebrachthatten; denn da sie keine Besatzung in den eroberten Städten zurück-liessen, so wollten sie auch diese Städte selbst nicht hinter sich lassen,sondern zerstörten sie und machten die Einwohner (mit Ausnahme derHändler, Künstler, Handwerker u. s. w.) nieder.

Nicht mindere Beachtung und Bewunderung verdienen sowohl die Artund die Kunst der Kriegführung durch die Mongolen unter Dschingis-K h a n und dessen Nachfolgern, wie dessen merkwürdige Vorschriften

*] Bei der Belagerung der Stadt Nischabur in Pcrsien, 1221, durch Dschingis-Khan's Sohn Tuli fertigten sie an Ort und Stelle 3000 Ballisten, 300 Katapulten,700 Maschinen zum Werfen von Töpfen mit brennendem Naphta, 4000 Sturmleitern,2500 Steinhaufen zum Werfen mit den Katapulten u. s. w. Es kam vor, dass sieWurfgeschütze auch in den Feldschlachten anwendeten: so bemächtigte sich Batu1241 in Ungarn der Brücke über den Saiofluss mit Hülfe der Katapulten.