8. Die gleichzeitigen Völker in Ost-Europa und Asien. 197
der Reserve ihre eigenen Truppen und die schwere Reiterei. Der Kampfwurde von fernher durch Pfeilschüsse eröffnet, näher herangekommenattakirten sie ungestüm den Feind mit der blanken Waffe, indem sie zu-gleich seine Flanken zu umfassen strebten, wozu sie ihre Linien nachrechts und links auseinanderzogen. Wenn sie auf kräftigen Widerstandstiessen, so traten sie einen verstellten Rückzug an und Hessen denFeind nach ihrer Seite hin vordringen, wobei sie ihn in Front und inFlanke mit Pfeilen Überschütteten; sobald sie bemerkten, dass sieihm dadurch vielen Schaden thaten, ihn in Unordnung uud Verwirrungbrachten, so gingen sie plötzlich wieder zum Angriff über und brachtendurch einen heftigen allgemeinen Stoss von allen drei Seiten im Hand-gemenge und mit blanken Waffen dem Gegner eine schliessliche Nieder-lage bei. Es ist bemerkenswerth, dass ausser der Reserve sie häufig auchplötzliche Flankenattaken mit allen oder den Hauptkräften machten;durch verstellte schleunige Flucht ermüdeten sie häufig den Feind, wäh-rend sie selbst, auf die frischen Handpferde steigend, plötzlich zurück-kehrten und in ungestümem Anlauf den Feind über den Haufen werfendihn gänzlich besiegten. Ueberhaupt suchten sie anfänglich ihn durchverschiedene Kriegslisten zu täuschen und dann mit Gewalt der Waffenzu überwinden, oft legten sie auch Hinterhalte. Nach Besiegung desGegners im Kampfe verfolgte ihn die leichte Reiterei bis aufs Aeussersteund machte Alles nieder.
Die verschiedenen Truppentheile gebrauchten im Gefecht mehrfacheSignale (mit Fahnen, Trompeten u. s. w.) und führten alle Bewegungenin der Schlacht mit ausserordentlicher Leichtigkeit und Schnelligkeitaus. Ihre Feldherren, weiter rückwärts haltend, folgten dem Gange desKampfes mit Aufmerksamkeit und leiteten ihn vermittelst der erwähntenSignale oder besonderer Boten Dabei wurden Soldaten, welche einzelnvom Schlachtfelde flohen oder eigenmächtig sich auf Beute stürzten, aufder Stelle mit dem Tode bestraft.
Wenn sie auf ihrem Wege eine stark befestigte Stadt antrafen, sowurde vor Allem die ganze Umgebung verwüstet, um die Besatzung unddie Einwohner der Verpflegungsmittel zu berauben, dann versuchtensie auch die Besatzungstruppen aus der Stadt oder in einen Hinterhalt zulocken, oder sie zu einem Kampfe im offenen Felde zu verleiten, sieganz oder theilweise zu besiegen und dadurch die Vertheidigung derStadt zu schwächen. Gelang dies nicht, so umschlossen sie die Stadtmit einer Hecke oder sogar einem Walle und Graben und schnittenalle Verbindung mit dem Lande ab. Dann führten sie Belagerungs-arbeiten aus, aber nicht sie selber, sondern sie verwendeten die einge-borenen Bewohner der Umgegend oder Kriegsgefangene dazu, wie auchzur Deckung der Belagerungsarbeiten und zum Sturme auf die Stadt, sie