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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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196 II. Vom Tode Karl's cl. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

sich führten. Trat in den unfruchtbaren Steppen äusserster Mangel anLebensmitteln ein, so nährten sie sich von Wurzeln, die sie aus der Erdegruben, oder von in Höhlen oder in Gruben aufbewahrten Körnern, odersie unternahmen Jagden im grossen Maassstabe, welche ebensowohlMittel des Unterhaltes schafften, als eine Kriegsübung und Schule desKrieges war, denn es wurden dabei alle Kriegsregeln und Vorsichts-massregeln ergriffen. Die Pferde der Mongolen lebten im Feldzug vomGrünfutter, im Winter scharrten sie mit den Hufen sich Futterkräuterund Wurzeln aus dem Schnee heraus. Als Hauptlebensmittel diente denMongolen in den Feldzügen: Getrocknetes oder gedörrtes Fleisch, Krut,oder an der Sonne getrockneter saurer Käse, und im äussersten NothfallKameelfleisch oder Fleisch der Lastthiere; auch das Fleisch gefallenerThiere verschmähten sie nicht, verwendeten auch die Eingeweide und dasBlut der Thiere zu ihren Mahlzeiten, und assen überhaupt ohne Unter-schied alle Thiere, reine wie unreine; Dschingi.s-Khan hatte verboten,irgend etwas für unrein zu halten, »denn«, sagte er, »in der Natur istAlles rein«.

§.70.Ihr Heerwesen.

Die Bewaffnung der Mongolen bestand aus Bogen und Pfeilen, Streit-äxten, Lanzen mit Widerhaken, um die feindlichen Reiter von den Pfer-den zu reissen, krummen Säbeln, ledernen und sogar eisernen Helmen,Panzern, Schilden u. s. w. Ausserdem musste jeder Krieger eine Feileoder Paspel zum Anspitzen der Pfeile und Lanzen, eine Pfrieme, Nadeln,Fäden von Thiersehnen, Lederschläuche für das Wasser u. s. w. beisich haben.

Das Heer bestand aus Reiterei, schwerer und leichter. Die letzterewar bestimmt für den Sicherheits- und Kundschafterdienst, Aufsuchendes Feindes, Einleitung des Kampfes, Verfolgung u. s. w., die ersterezur Ausführung der entscheidenden und Hauptstösse. Auf dem Zugemusste jeder Mongole ein, zwei oder noch mehr Handpferde haben. VonKindheit an lernten sie auf bisweilen wilden Steppenpferden reiten,fechten, Pfeile abschiessen , den Säbel und die Lanze gewandt führen,wie überhaupt jede Art von kriegerischen Uebungen. So waren sie natür-lich ausgezeichnete Reiter und Bogenschützen und bildeten eine vorzüg-liche Reiterei, welche häufig auch absass und dann wie das beste Fuss-volk zu Fusse kämpfte.

Zum Kampfe formirten die Mongolen sich in mehreren Linien miteiner Reserve, in den vordersten Linien die Bundesgenossen, die Trup-pen der unterworfenen Völker, überhaupt aber leichte Truppen, und in