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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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194 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

Europas und der ganzen Welt. Aus dem Verlaufe der von ihm geführtenKriege ergiebt es sich, dass es kein religiöser Fanatismus, wie bei denArabern und den Kreuzfahrern, war, der Dschingis-Khan und seineMongolen zu Eroberungen fortriss und die Ursache seiner colossalen Er-folge war, sondern der unersättliche Durst nach Macht und Beute, dievortrefflichen zum Theil von den Chinesen entlehnten politischen undkriegerischen Einrichtungen und Regeln, die ausgezeichnete Organisationder Heere, ihre Gewandtheit im Waffengebrauche, die Befähigung derNomadenvölker zum Ertragen von unglaublichen Beschwerden und Ent-behrungen im Kriegsleben, und das Vertrauen in die Ueberlegenheit ihrerKriegskunst über alle gleichzeitig lebenden Völker.

Die oben bezeichneten kriegerischen und politischen Einrichtungenund Regeln, Kriegsorganisation des Heeres und des Staates und dieKriegskunst der Mongolen unter Dschingis-Khan wurden in seinemGesetzbuche, das Jassä hiess, zusammengefasst und dargestellt,und dieses Buch stand bei den Nachfolgern Dschingis-Khan's ebensohoch im Ansehen, wie der Koran bei den Mohamedanern. Nach denerhaltenen Ueberbleibseln zu schliessen, enthielt es Folgendes:

Um Eigenwillen, Streit, innere Kriegs- und Gewaltthätigkeiten zuvermeiden und um Ordnung und feste Regel zu sichern, erhielten alledem Dschingis-Khan unterworfenen Stämme einen für jeden genauabgegrenzten Landstrich als Weideplatz für ihre Heerden, den sie nachallen Richtungen durchstreifen konnten. In jedem Stamme wurden dieKibitken oder Familien zu 10, 100 oder 1000 eingetheilt, an derenSpitze die entsprechenden Zehner, Hunderter oder Tausender als Häup-ter standen. Jeder Waffen zu tragen fähige Mongole war ein Kriegerund deshalb stellte, wenn' ein Heer versammelt werden sollte, jederZehnerhäuptling je nach Befehl 1 , 2 oder mehrere Krieger, welche sichmit den vorgeschriebenen Lebensmitteln und allem für den Feldzug Er-forderlichen auszurüsten hatten. Auch im Heere fand die gleiche Ein-theilung statt: von je 10 Mann ward Einer als Führer der 9 anderenerwählt, 9 solcher Zehner gehorchten einem Hunderter, und so fort bei1000 und 10,000 Mann. Ueber 10,000 Mann (mongol. Tumuini) standein Zehntausender (in unseren Chroniken Temnik genannt, von demslawischen Wort tma = 10,000). Ausser diesen Offizieren werden nocherwähnt: 1. Jurtdschi, deren Obliegenheit darin bestand, dasWinter-und Sommer-Nomadenleben zu reguliren, auf dem Zuge die Lagerplätzezu bestimmen, wie bei Kriegszeiten so auch bei des Khans Jagdzügen,wozu gewöhnlich eine grosse Anzahl von Kriegern herangezogen wurde,bei Zügen durch wasserarme und Steppengegenden anzuordnen, wievielan Vorräthen und Wasser mitzunehmen sei, auch zu wissen, auf welchenWegen das Heer am besten marschiren könne, wo, wieviel und von