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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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8. Die gleichzeitigen Völker in Ost-Europa und Asien. 193

Unter diesen war es Chaidu, welcher die am Barchaflusse nomadisiren-den Mongolen unterwarf, und ein andrer, Issugei, nahm den Tataren-fürsten Temudschin gefangen und benannte nach diesem seinen 1161jüngstgeborenen Sohn, der in der Folge unter dem Namen Dschingis-Khan (s. u.) so berühmt wurde.

Die geographische Lage dieser Nomadenländer oder Steppendörfer,über welche Temudschin als erblicher Herrscher regierte, genau zubestimmen, ist unmöglich. Gewiss ist nur, dass dieser Nomadenstammum jene Zeit zu beiden Seiten des grossen Chinggan-Gebirges um dieoberen Läufe der Tola, Onon und Kerulyn nebst deren Zuflüssen hauste.Die Thäler dieser Flüsse und die Ausläufer des Chinggan-Gebirges botenvortreffliche Weideplätze und machten den Mongolen die Zucht zahl-reicher Viehheerden und besonders Pferdeheerden möglich. Zu Endedes 13. Jahrhunderts standen sie, von Temudschin regiert, mit denübrigen Völkern der heutigen Mongolei unter der Botmässigkeit einesstarken, in Nord-China herrschenden Volkes, welchem sie Tribut zahlten.

Es ist ungewiss, in welcher Weise Temudschin, bei seines VatersTode (1174) ein 13jähriger Knabe, seine ersten Jugendjahre zubrachte.Unaufhörlich von Nachbarn bedroht, wuchs er unter beständigen Gefah-ren heran, und es ist wahrscheinlich, dass das cultivirte China für ihndas Muster wurde, welchem er, seinen ausserordentlichen Naturanlagennach, Alles entlehnte , was er in Bezug auf staatliche, bürgerliche undKriegsorganisation schon damals seinen weitreichenden Plänen förderlichfand. Andrerseits bot die theils aus Steppe, theils aus Gebirge und Waldbestehende Mongolei alle Bedingungen für die Jagd, welche Temu-dschin als eine SchuledesKrieges bezeichnete. Auf diese Weise,von den Chinesen lernend und von ihnen alles seinen Zwecken dienlicheentnehmend, der Jagd als einem Bilde des Krieges obliegend, bald dieAngriffe seiner Nachbarn abwehrend, bald selbst Vergeltungszüge gegensie ausführend, machte Temudschin inmitten von Gefahren undKämpfen sich mehr und mehr mit dem Kriege vertraut, entwickelte undvervollkommnete seine Anlagen, und lernte Menschen von Verdienstkennen und schätzen, mit denen er sich demnächst auch zu umgebenverstand. Mit Hülfe der zahlreichen Pferdeheerden seines Volkes bildeteer eine ausgezeichnete Keiterei aus und begann, mehr und mehr erstar-kend , die benachbarten mongolischen Stämme zu unterwerfen, welcheihn dann als ihr Oberhaupt unter dem Namen Dschingis-Khan (d. h.Gebieter der Starken) anerkennen mussten. Unzweifelhaft schuf ergerade zur Zeit dieser Kriege und unter dem Einflüsse der verschiedenenangeführten Ursachen die in ihrer Weise vorzügliche Kriegsorganisationseines Staates und Heeres und die entsprechende Kriegskunst, undfasste den Plan nicht allein zur Unterwerfung Asiens, sondern auch

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte n. 1. 13