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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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192 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.

bis zu ihrer im 13. Jahrhundert unter Temudschin (Dsckingis-Khan) erfolgenden Vereinigung schöpfen kann. Dabei stösst man aberauf eine Schwierigkeit, dass nämlich die Mongolen sich von Alters her ineine Menge von Stämmen getheilt hatten, deren jeder seinen besonderenNamen führte, und wenn einige Stämme sich unter einer Herrschaft ver-einigten, diese nach dem Namen des vorherrschenden Stammes oder desHerrschergeschlechtes genannt wurden, wodurch also die mongolischenReiche in der chinesischen Geschichte unter einer Menge verschiedensterNamen erscheinen und die Bestimmung schwer wird, welche von diesenwirklich mongolische, und welche etwa türkische oder mandschurischeReiche waren. Das ist übrigens unzweifelhaft, dass die Mongolen ur-sprünglich ein Nomadenleben führten, in viele Stämme unter ihren eigenenFürsten zerfielen, zu einem grossen Reiche verbunden wurden, wieder inmehrere kleine Reiche auseinander fielen, und dass das beständige Zielihrer räuberischen Einfälle und Angriffe das cultivirte und reiche Chinawar. Die Beherrscher dieses letzteren Reiches unterlagen zum Theilihrer Macht, theils auch wehrten sie die Mongolen mit Gewalt der Waffenab, theils besänftigten sie dieselben durch Abgaben oder durch Verheira-thung ihrer Töchter mit Mongolenfürsten oder -Khans. Etwa 3 Jahrhun-derte v. Chr. drängten drei mächtige chinesische Staaten: Jan (Hiar),Tschao und Zin die Mongolen aus ihren Grenzgebirgen in die Steppe undumgaben sich mit der bekannten langen grossen Mauer. Bald nach-her, nachdem China in eine Monarchie verwandelt worden, führte dessenHerrscher Schi-Chuan diese Mauer vonNeuem auf und machte sie zurGrenze zwischen China und der Mongolei. Inzwischen war in letzterer,namentlich in Ordossa und Chalcha, die Herrschaft der Hunnen erstarkt.Der Oberherr derselben, Namens M e d u, unterwarf die übrigen mongo-lischen Staaten, vereinte die gesammte heutige Mongolei zu einem Reicheund dehnte um 177 v. Chr. seine Eroberungen bis zum kaspischen Meereaus. Das von ihm gegründete Hunnenreich bestand 150 Jahre (fast biszu Christi Geburt), wonach dessen Herrscher die chinesische Oberhoheitanerkannten. Nach dem Untergange des herrschenden Hunnengeschlechtsbis zu Dschingis-Khan'.s Auftreten schlössen sich die Mongolen fast12 Jahrhunderte lang nicht wieder zu einem grossen Reiche zusammen,aber die verschiedenen Stämme derselben bildeten nicht selten sehr mäch-tige Staaten, wie in der Mongolei, so auch im nördlichen China. So er-hoben sich im 12. Jahrhundert in Chalcha vier mächtige Stämme zurHerrschaft: Mongolen, Tataren, Keraiten und Taiguten. Zu dieser Zeitwar das Oberhaupt aller Mongolen das Geschlecht des Dua-Juan, einVerwandter Bodontschar der Aelteste oder Fürst in Bartusol in derWüste Gobi. Seine Herrschaft über die aus dem Nomadenlande Tengo-richura zu ihm stossenden Mongolen Uberliess er seinen Nachkommen.